Singeldaseins(über)lebenskonzepte

Wer Single ist durchlebt verschiedene Phasen um sein Dasein zu legitimieren. Denn sind wir uns ehrlich, Single zu sein ist kein Lebenskonzept, jedenfalls kein gesellschaftlich erwünschtes. Immer wieder kommen Onkel, Tanten, Omas und andere die sich davon bemüßigt fühlen auf einen zu und fragen, warum man denn immer noch Single sei (Frage die die Welt nicht braucht) und woran das denn läge (2. Frage, die die Welt nicht braucht) und dass GANZ BESTIMMT ganz bald der oder die Richtige kommen wird. Ich nicke brav, kotze in Gedanken den trockenen Marmorgugelhupf über das Spitzendeckchen vor mir und frage mich, wann denn der Blockier-Button fürs Reallife erfunden wird.

Also braucht es Überlebenskonzepte, die in unbestimmter Reihenfolge, gerne auch wiederholend, manchmal konstant, selten nie, oftmals aber regelmäßig auftreten:

  • Die Kindergartenphase: Treu nach dem Motto „Igitt, Buben, wähhhh, bloß weg von hier!“ hat man schlicht und einfach die Schnauze voll vom anderen Geschlecht. Auch der stark verbreiteten Leidenschaft zu Vögel(n) kann man nichts abgewinnen. Meist tritt diese Phase nach einem One Night Stand auf, der eigentlich keiner hätte bleiben sollen. (Verdammt, zumindest ein Two-Night-Stand hätts sein können)
  • Die Super(wo)manphase: Ich bin so toll, ich bin so schön, ich bin so geil, ich bin so klug, ich bin so witzig, ich bin der absolute Hammer im Bett und der Hero meines Blocks und außerdem hab ich grad richtig viel Kohle am Konto und den Kater von letzter Nacht lass ich erst gar nicht aufkommen. Der Muskelkater von letzter Nacht ist aber herzlich willkommen, denn hier bin ich und ich nehme mir was ich will und ich will die Laken vollschwitzen und sie dann nicht wechseln, will eine Sehnenzerrung bekommen und meine Lachfalten ausbauen! Und wer mich nicht will, der ist ja soooooo dumm und verpasst das Abenteuer seines Lebens, pah, Idiot! Next one please..
  • Die Weltallphase: Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das beschissenste Jahr des Lebens. Dies sind die Abenteuer eines einsamen, traurigen, unglücklichen Singles, der ganz alleine seit viel zu langer Zeit unterwegs ist um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Liebe. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt der Single in Galaxien vor, die nie zuvor von ihm gesehen wurde… Und das macht ihn depressiv, sucht das nächstbeste schwarze Loch, stürzt sich rein, gemeinsam mit seinen besten Frenden Fräulein Schokolade, Herr von Vodka, Mister Pizza und Busenfreundin Aspirin. Niemand will mich, niemand braucht mich, keiner liebt mich und kein Schwein will meine Liebe haben. Was soll ich noch da? Scotty, beam me down..
  • Die Apocalypsephase: Aber jetzt, jetzt will ich eine Beziehung! Um jeden Preis! Egal wer, arrangierte Ehen funktionieren ja auch, irgendwie halt – in Bollywoodfilmen zumindest, warum keine freiwillige Zwangsbeziehung eingehen, weil ich grad unbedingt eine will. Meine Oma sagte ja auch schon, dass die Liebe mit der Zeit kommt. Plötzlich sitzt man dann mit dem absoluten Anti-Typen, in seiner Anti-Wohnung, geht in Anti-Lokale, lacht über Anti-Witze und hat Anti-Sex. Dann macht man per SMS Schluß.
  • Die Grapefruitphase: In der ist man einfach nur noch verbittert. Man ist zornig, wütend und würde am liebsten vor jedem verliebten Pärchen einen Haufen machen. Oder sie zumindest anspucken. Ja selbst wenn eine Frau in Gesellschaft eines Mannes unterwegs ist, und wenn es nur der Mitbewohner ist, wird das mit Argusaugen bemerkt. Warum die, warum nicht ich? Bin ich so ein schlechter Mensch, dass ich mich nicht über Barthaare im Waschbecken ärgern, über die Sauftouren beschweren und Angst haben darf, dass er fremdgeht? Das ist so unfair!
  • Die Verleugnungsphase: Nein, ich suche gar nicht (naja,….). Ich lasse mich finden (BIN DAAAAAHAAAA!!!). Die Liebe wird kommen, wenn man sie am wenisten erwartet (Jetzt? Wie spät ist es?). Ich bin sehr zufrieden mit meiner Situation (heeeeeeeuuuuuuuuuuuul) und bin über meine emotionale Unabhängigkeit sehr froh (Oje ich lüge so schlecht…). Ich meine, wenn ich mir die Beziehungen meiner Freunde ansehe, möchte ich wirklich nicht tauschen (Na aber sicher doch! Mit einer ganz besonders… dumdidum). Die streiten sich ständig (Hallo, das ist Leidenschaft!) und der Sex ist bei denen auch nicht so prickelnd (Na und, die haben wenigstens Sex!).

Aber diese Phasen sind ja nur Phasen, soll heißen sie gehen zu Ende. Irgendwann. Wenn der oder die Richtige kommt. Und die kommen ja ganz bestimmt. Habe ich mir sagen lassen. Bis dahin kann das Singledasein aber auch was richtig tolles sein, denn eigentlich ist das nämlich eh nicht ganz so schlimm. Hier könnt ihr lesen, was ich damit meine :)