Wenn Männer Blumen schenken

Dann haben sie ein schlechtes Gewissen. Sagt man ja. Ich habe zugegebenermaßen schon oft Blumen geschenkt bekommen, weil ich gleich zu Beginn so ganz nebenbei erwähne, dass ich es liebe wenn ich Blumen geschenkt bekomme. Bitte tote, keine Lebenden, die sterben über kurz oder lang nämlich eh auch. Und diese Männer hatten ganz bestimmt kein schlechtes Gewissen. Nein. Sicherlich nicht!

Wenn Männer Blumen schenken, dann muss man sie loben. Ich habe noch keinen Mann erlebt, der mir nach Überreichung des Straußes nicht erklärt hat, wie wahnsinnig viel Zeit er dafür aufgewendet hat, den richtigen auszuwählen und was die Floristin für Ratschläge gegeben hat und ob ich eh bemerkt habe, dass da auch Lilien drin sein – DEINE Lieblingsblumen, ich habe mir das gemerkt – Ja toller Mann bist du, toller Mann. Komme mir dann vor, als würde ich meinen Hund loben, der brav seinen Haufen in die Wiese und nicht am Gehweg gemacht hat. Besonders peinlich finde ich es, wenn mein Herzensritter, der zuvor viel zu generöses Trinkgeld gegeben hat, beim Blumenverkäufer im Restaurant um 50 Cent feilscht. Bin ich ihm die 50 Cent nicht wert, oder will er mir beweisen, dass er ein so ein toller Verhandler ist, dass er dem armen Blumenverkaufer die 50 Cent streitig macht? Gut, dann schleppe ich eben den ganzen restlichen Abend diese Rose mit mir rum und wehe ich vergesse sie im vollgestopften Club! Aber eh lieb, danke, aber nur wenn man eh schon am Weg nach Hause ist. Und dann wird sie natürlich getrocknet. Also wenns die erste ist. Werden Blumen geliefert, dann haben das bei mir meist Menschen mitbekommen, bei denen ich das eigentlich nicht wollte. Meine Mutter zum Beispiel. Sie dachte ich sei Single. Oder Arbeitskollegen, die auch dachten dass ich Single sei. Oder die Nachbarin, die wusste um wem es sich handelt und sich nicht mehr auskannte. Denn gelieferte Blumen sind bei mir meist sehnsüchtige, reumütige, nachträgliche, mitleidige Grüße gewesen. Warum soviel Aufwand betreiben, wenn eh alles ok ist? Und Aufwand dürfte das sein, denn noch bei jedem konnte ich beim Danksagungsanruf mir anhören, wie schwierig es war, das zu organisieren, dass ich auch ja erreichbar sei, dass die Blumen auch wirklich ankommen, dass es auch wirklich die richtigen Blumen sind. Einmal bekam ich den Blumenstrauß einen Tag zu spät. Er meinte, der Lieferservice hätte einen Fehler gemacht. Ich meine, er hatte den richtigen Tag meines Geburtstages vergessen.

Aber Blumen sind nicht gleich Blumen. Ich habe gemalte Blumen als Aquarell zum Jubiläum bekommen (das Bild habe ich immer noch!), getrocknet als Deko um das eigentliche Geschenk (hab ich auch noch), in Clubs und Restaurants vom Blumenverkäufer, geliefert mit Briefchen und geheimnisvollen Einladungen, in rot und in gelb, Rosen, Lilien und sogar Nelken (Tankstellenstrauß) bekam ich überreicht. Selbstgepflückte von der Wiese, gekaufte vom Edelfloristen und von der Tankstelle, große Sträuße und einzelne Blumen, lebende im Topf und Bambusstiele im Wasser. Gefreut habe ich mich immer und werd ich mich auch zukünftig, auch wenn der ein oder andere vielleicht doch ein schlechtes Gewissen hatte.