5 Tricks um die Hochzeitskosten besser zur verdauen, oder wie man sich erfolgreich selbst belügt

5 Tricks um die Hochzeitskosten besser zu verdauen / www.fanfarella.at

Hochzeit planen macht ja so viel Spaß! Alle sind so freundlich zu einem, machen alles möglich und sagen nie Nein zu meinen Ideen und Vorschlägen, alles läuft wie am Schnürchen und eigentlich wünschte ich, diese Planung nimmt nie ein Ende, weil es ist die tollste Zeit in meinem Leben. Ähm naja, nicht so ganz. Denn ich möchte ehrlich mit euch sein und gestehen, dass ich einen ziemlichen Durchhänger bei der Hochzeitsplanung hatte. Eigentlich erwartet jeder der mich fragt, wie es denn mit der Planung aussieht, eine euphorische Julia. Aber ich erkannte keinen Sinn mehr darin, so viel Geld für einen Tag auszugeben, an dem es eigentlich hauptsächlich um Liebe geht. Warum muss ausgerechnet ein Fest der Liebe soviel kosten, nur weil man es mit seiner Familie und Freunde gemeinsam feiern will? Klar, man könnte auch einfach eine Grillparty machen, statt ein gutes Restaurant mit toller Aussicht zu mieten und natürlich könnte man mal flott ins Standesamt huschen um dort zu heiraten, anstatt die ganze Zeremonie an einen individuellen Ort zu verfrachten, statt eines teuren Kleides sich ein hübsches von Zalando & Co. bestellen und anstelle des ganzen Deko-Schnickschnacks auf die Besonderheit des Momentes vertrauen, der keine Deko benötigt. Und während ich das schreibe denke ich mir schon wieder: Warum das ganze eigentlich? Bin ich wirklich so ein spießiger Sparefroh, der sein Geld lieber für sich alleine ausgibt, anstatt für andere? Oder merke ich schlichtweg gerade, dass ich bisher am vollkommen falschen Dampfer war, was Hochzeitsplanung betrifft? Wenn ich unlimitiertes Budget hätte, würde ich dann ähnlich denken oder bin ich schlicht geizig?

Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem und anstelle alles abzublasen und durchzubrennen habe ich meinen Freundinnen die Ohren vollgejammert, dass die Hochzeit jetzt schon 30% mehr kostet als veranschlagt und es jetzt erst recht perfekt werden muss. Mit all dem verkackten Schnickschnack den es gibt verdammt! (Heute sind übrigens die chinesischen Papier-Sonnenschirme geliefert worden – soooo hübsch awwww -, damit unsere Gäste keinen Sonnenstich während der Agape bekommen und sie ihre Canapes trotzdem draußen mit Blick über Wien genießen können.)

Um mir mein zukünftiges Leben ohne Sparbuch etwas angenehmer zu gestalten, habe ich nach Rücksprache mit meinen hilfsbereiten Freundinnen eine alternative Sicht der Geldausgaben gefunden, dank denen mein Durchhänger vorbei ist und ich wieder voller Tatendrang bin. Manche sind zum Nachahmen empfohlen, andere weniger. Ihr werdet schon merken welche ich meine. Und hier sind sie, meine 5 Tricks, wie ich die Hochzeitskosten etwas besser verdauen kann. Oder auch, wie man sich am besten selbst belügt, ohne sich dabei schlecht zu fühlen.

1. Niemand will geizig sein, wenn es um das Fest der Liebe geht. Vorausgesetzt natürlich, man reitet sich nicht in Schulden natürlich. Jeder will großzügig sein und für sich und seine Gäste einen schönen Tag bereiten, oder? Geiz ist nicht geil bei Hochzeiten. Geiz ist generell pfui find ich. Also gebt das Geld, das ihr verdient habt aus und fühlt euch dabei gut, denn ihr macht es nicht nur für euch, sondern auch für eure Gäste, dass sie sich wohl fühlen und mit euch einen unvergesslichen Moment feiern, an den auch sie sich immer erinnern werden. Und wenn sich eure Lieben gut fühlen, dann fühlt ihr euch auch gut und dann seid ihr happy und relaxed. Stimmts? Also Geiz ist bäh und Großzügigkeit ist yeah! Das sagt ihr jetzt 10x auf und fühlt euch toll danach, wie ach so großzügig ihr doch seid.

2. Muss man denn die 90€ für Briefmarken auch in die Kostenaufstellung schreiben? Oder die Zollgebühren für die Papier-Sonnenschirme aus China? Oder für die Ösenpresse, die Heißklebepistole und Polaroid-Filme? Ach das sind ja nur so Peanuts die man im vorbeigehen mitbezahlt, das treibt die Endsumme nur unnötig nach oben und man schiebt Panik. Waaaas dieser Kleinscheiß macht zusammen 1382,96€ aus??? Auf das habe ich keine Lust, deshalb erst gar nicht reinschreiben und sich freuen, dass man immer noch unterm Budgetlimit ist. Dafür wird der Kinosonntag gestrichen. Vernünftig ist das zwar nicht, und für jene die ein wirklich strenges Limit haben nicht zu empfehlen, aber für jemanden die schnell Panik schiebt, so wie ich, ist das ein dankbarer Weg.

3. „Ach das kann ich ja nach der Hochzeit wieder verkaufen, somit ist das gar nicht so teuer und kostet mich maximal die Hälfte, weil für -50% werde ich es garantiert wiederverkaufen können“. Also macht euch schon darauf gefasst, dass ich nach der Hochzeit einen eigenen Shop für Bänder, Hochzeits-Sonnenschirme, Brautgürtel, Gläser, Servietten, Tischtücher und einen 4 Meter langen Ribbon-Background aufmache. Die Kosten hole ich damit alle wieder rein und fahre damit ein zweites Mal auf Hochzeitsreise. Tschakaaa!

4. Viele Dinge kann man nach der Hochzeit auch noch verwenden und kann man sehr gut brauchen. Ja wirklich! Also eigentlich muss man die dann nicht in die Kostenaufstellung für die Hochzeit reinschreiben, stimmts? Meine Brautschuhe beispielsweise, die ziehe ich ja danach bestimmt nochmals an, also sind es nicht wirklich nur Brautschuhe und eigentlich könnte ich mir dann ruhig die Jimmy Choos kaufen, oder? Und die Polaroid Kamera verwenden wir danach ja sicherlich auch nochmals. Ihr stimmt mir da sicherlich zu, dass solche Anschaffungen, definitiv nicht in die Kalkulation reingenommen werden müssen, stimmts?

5. Aber muss man denn so viel Geld für lediglich einen einzigen Tag ausgeben? Für ein Kleid, das man nur 1x trägt und für Dekomaterialien, die großteils danach in den Müll wandern ähm weiterverkauft werden? Nö muss man natürlich nicht, aber wer es trotzdem will, aber sich dabei unwohl fühlt, dem sei eines gesagt: Der Gedanke, dass man das ja nur für einen einzigen Tag macht, ist falsch! Deshalb skaliere ich die Kosten und den Aufwand auf optimistische 60 Jahre, denn mein Liebster und ich werden garantiert über 90 Jahre alt. Weil auch wenn man das Kleid nur einmal trägt, so sieht man es sich auf den Fotos ein Leben lang an und auch wenn man diesen DIY Ribbon-Background im Schweiße seines Angesichts gebastelt hat und ihn dann für genau 1 Stunde während der Zeremonie sieht, so wird man sich wohl immer daran erinnern, wie man ihn mit seinen Freundinnen gemeinsam gebastelt hat und davor das Ja-Wort gegeben hat.

Foto: Tony Gigov