Wenn ich mal nicht so glücklich bin

Wenn ich mal nicht glücklich bin / www.fanfarella.at

Glücklich sein, das muss man sein. Unglücklich sein, das bedeutet nicht stark genug zu sein, etwas daran zu ändern, denn wie heißt es so schön: Jeder ist seines Glückes eigener Schmied. Habe nur ich diesen Eindruck? Und ich rede hier nicht von Depressionen, sondern davon, dass man auch einfach mal unzufrieden ist über eine Situation oder keine Lust auf Glücklichsein hat und man sich lieber zu Hause verkriecht, die Jalousien runterlässt, keinen Gedanken darüber verschwendet, wie man denn in diese Situation geraten konnte und dort mal bleibt. Es hinnimmt, wie es gerade ist. Weils einfach gut tut in dem Moment. Aber man weiß, dass es so nicht bleiben wird.

So wie es gut tut manchmal zu weinen oder lauthals herauszubrüllen, dass man gerade keine Lust hat freundlich zu sein oder Pläne zu schmieden wie alles noch viel toller und schöner wird. Und dann will man kein „Jetzt reiß dich mal zusammen“ hören, sondern ein leises Türe schließen. Von außen. Man entschließt sich bewusst dazu, dem Glück nicht mehr hinterher zu laufen und verkriecht sich im Bett, so wie man früher schon ins Elternbett gekrabbelt ist, wenn es einem nicht gut geht. Dann starrt man auf den Berg Klamotten, der sich auf der Kommode türmt, ohne die Arbeit darin zu sehen, sie wieder aufhängen zu müssen, sondern akzeptiert den Zustand. Es ist egal. Man hört den Lift im Treppenhaus fahren und fragt sich, von wo die Nachbarn gerade kommen und was sie erlebt haben. Ob sie glücklich sind? Hunger kommt auf, doch dafür müsste man aufstehen, die Türe öffnen, Licht und frische Luft hereinlassen, aber eigentlich soll wirklich alles draußen bleiben, auch frische Luft und Licht. Stattdessen fischt man sich ein verlorenes Bonbon aus der achtlos hingeworfenen Badetasche von vor 2 Tagen heraus. Das war ein schöner Tag, da war man glücklich. Was war an dem Tag anders, als heute? Das Bonbon schmeckt süß und man merkt, es tut einem gut. Jetzt hatte das Bonbon auch noch seinen Sinn.

Und man selbst? Man beobachtet wie die schmalen Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch die Jalousien bahnen, der Staub in der Luft darin glitzert und versuchen einem blenden. Wie hartnäckig die sein können. Weil die Welt sich weiterdreht, egal was passiert.

Und irgendwann kommt dann der Punkt, da hat man dann keine Lust mehr unglücklich zu sein. Wenn man ins Grübeln kommt, was gerade ein Mensch genau am anderen Ende der Welt vollbringt, während man selbst hier einfach nichts tut außer vielleicht dem dem wandernden Sonnenstrahl auszuweichen versucht. Darf ich denn überhaupt Selbstmitleid haben, und ist das überhaupt Selbstmitleid? Oder mache ich es mir einfach, verschließe die Augen ganz lange, in der Hoffnung, dass sich Probleme von selbst lösen und Chancen ohne Zutun aufmachen. Wenn man dann die Augen aufschlägt, blinzelt einem aber immer noch dieser eine Sonnenstrahl an, aber diesmal durch eine andere Lamelle der Jalousie. Es ist schon wieder etwas Zeit vergangen. Und man selbst? Bin ich eigentlich dieses Ich, das ich von mir erwarte? Will ich denn ein Mensch sein, der nicht immer glücklich sein will? Dann, wenn ich aufgestanden bin, die Jalousien wieder hochgezogen, Luft und Licht hereingelassen haben, dann glaube ich es zu wissen. Es war schön so und ich bin dankbar, dass ich auch diese Momente leben darf und ich mir selbst keinen Druck mache, immer glücklich sein zu müssen. Dass wenn man mich fragt, ob ich glücklich bin, ich sagen kann:

„Ja, ich bin glücklich, aber genauso auch mal nicht. Ich bin dankbar, auch mal unglücklich sein zu können, ohne dass ich mich dafür selbst verurteile.“

Ich weiß nicht, ob es anderen auch manchmal so ergeht, aber ich denke jedem geht es manchmal so. Zugeben wollen es nicht viele habe ich das Gefühl, als wäre man ein Versager, wenn man nicht dauer-happy ist, denn genau dieses Gefühl hatte ich auch. Aber ist man ein Versager? Weil man nicht „fähig“ ist, sein Leben immer auf Himmelhochjauchzend-Niveau zu leben und es mit dementsprechenden Momenten zu füllen? Eine kürzlich besuchte Diskussionsrunde der Modul University über Glücklichsein im Leben hat mich darüber ins Grübeln gebracht nämlich und inspirierte mich zu diesen Zeilen. Ich frage mich, ob es denn wirklich immer das Ziel sein soll glücklich sein zu wollen, oder ob dieses Streben nach Glück, nicht auch immer wieder von Enttäuschungen begleitet ist. Einfach akzeptieren, dass überall wo Sonne ist, auch mal Schatten ist und man dadurch die Sonnenseiten erst richtig zu schätzen weiß? Oder ist das eine etwas negative Sichtweise, eine die man sich zurechtlegt, wenn es einem passt? Wie seht ihr das?