Wenn ich mal nicht so glücklich bin

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Glücklich sein, das muss man sein. Unglücklich sein, das bedeutet nicht stark genug zu sein, etwas daran zu ändern, denn wie heißt es so schön: Jeder ist seines Glückes eigener Schmied. Habe nur ich diesen Eindruck? Und ich rede hier nicht von Depressionen, sondern davon, dass man auch einfach mal unzufrieden ist über eine Situation oder keine Lust auf Glücklichsein hat und man sich lieber zu Hause verkriecht, die Jalousien runterlässt, keinen Gedanken darüber verschwendet, wie man denn in diese Situation geraten konnte und dort mal bleibt. Es hinnimmt, wie es gerade ist. Weils einfach gut tut in dem Moment. Aber man weiß, dass es so nicht bleiben wird.

So wie es gut tut manchmal zu weinen oder lauthals herauszubrüllen, dass man gerade keine Lust hat freundlich zu sein oder Pläne zu schmieden wie alles noch viel toller und schöner wird. Und dann will man kein „Jetzt reiß dich mal zusammen“ hören, sondern ein leises Türe schließen. Von außen. Man entschließt sich bewusst dazu, dem Glück nicht mehr hinterher zu laufen und verkriecht sich im Bett, so wie man früher schon ins Elternbett gekrabbelt ist, wenn es einem nicht gut geht. Dann starrt man auf den Berg Klamotten, der sich auf der Kommode türmt, ohne die Arbeit darin zu sehen, sie wieder aufhängen zu müssen, sondern akzeptiert den Zustand. Es ist egal. Man hört den Lift im Treppenhaus fahren und fragt sich, von wo die Nachbarn gerade kommen und was sie erlebt haben. Ob sie glücklich sind? Hunger kommt auf, doch dafür müsste man aufstehen, die Türe öffnen, Licht und frische Luft hereinlassen, aber eigentlich soll wirklich alles draußen bleiben, auch frische Luft und Licht. Stattdessen fischt man sich ein verlorenes Bonbon aus der achtlos hingeworfenen Badetasche von vor 2 Tagen heraus. Das war ein schöner Tag, da war man glücklich. Was war an dem Tag anders, als heute? Das Bonbon schmeckt süß und man merkt, es tut einem gut. Jetzt hatte das Bonbon auch noch seinen Sinn.

Und man selbst? Man beobachtet wie die schmalen Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch die Jalousien bahnen, der Staub in der Luft darin glitzert und versuchen einem blenden. Wie hartnäckig die sein können. Weil die Welt sich weiterdreht, egal was passiert.

Und irgendwann kommt dann der Punkt, da hat man dann keine Lust mehr unglücklich zu sein. Wenn man ins Grübeln kommt, was gerade ein Mensch genau am anderen Ende der Welt vollbringt, während man selbst hier einfach nichts tut außer vielleicht dem dem wandernden Sonnenstrahl auszuweichen versucht. Darf ich denn überhaupt Selbstmitleid haben, und ist das überhaupt Selbstmitleid? Oder mache ich es mir einfach, verschließe die Augen ganz lange, in der Hoffnung, dass sich Probleme von selbst lösen und Chancen ohne Zutun aufmachen. Wenn man dann die Augen aufschlägt, blinzelt einem aber immer noch dieser eine Sonnenstrahl an, aber diesmal durch eine andere Lamelle der Jalousie. Es ist schon wieder etwas Zeit vergangen. Und man selbst? Bin ich eigentlich dieses Ich, das ich von mir erwarte? Will ich denn ein Mensch sein, der nicht immer glücklich sein will? Dann, wenn ich aufgestanden bin, die Jalousien wieder hochgezogen, Luft und Licht hereingelassen haben, dann glaube ich es zu wissen. Es war schön so und ich bin dankbar, dass ich auch diese Momente leben darf und ich mir selbst keinen Druck mache, immer glücklich sein zu müssen. Dass wenn man mich fragt, ob ich glücklich bin, ich sagen kann:

„Ja, ich bin glücklich, aber genauso auch mal nicht. Ich bin dankbar, auch mal unglücklich sein zu können, ohne dass ich mich dafür selbst verurteile.“

Ich weiß nicht, ob es anderen auch manchmal so ergeht, aber ich denke jedem geht es manchmal so. Zugeben wollen es nicht viele habe ich das Gefühl, als wäre man ein Versager, wenn man nicht dauer-happy ist, denn genau dieses Gefühl hatte ich auch. Aber ist man ein Versager? Weil man nicht „fähig“ ist, sein Leben immer auf Himmelhochjauchzend-Niveau zu leben und es mit dementsprechenden Momenten zu füllen? Eine kürzlich besuchte Diskussionsrunde der Modul University über Glücklichsein im Leben hat mich darüber ins Grübeln gebracht nämlich und inspirierte mich zu diesen Zeilen. Ich frage mich, ob es denn wirklich immer das Ziel sein soll glücklich sein zu wollen, oder ob dieses Streben nach Glück, nicht auch immer wieder von Enttäuschungen begleitet ist. Einfach akzeptieren, dass überall wo Sonne ist, auch mal Schatten ist und man dadurch die Sonnenseiten erst richtig zu schätzen weiß? Oder ist das eine etwas negative Sichtweise, eine die man sich zurechtlegt, wenn es einem passt? Wie seht ihr das?

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13 Responses
  • Ivy
    Juni 1, 2015

    Liebe Julia, dieses Happy-Beppy-Gedöns nervt mich meistens auch. Viele Leute sieht man heutzutage eigentlich nur, wenn sie gut gelaunt sind. Und du hast recht: Keiner traut sich wirklich zu sagen: Heute bin ich einfach unglücklich. Man sieht immer alles in dieser shiny Fassadenwelt, aber wie es im Inneren der Menschen aussieht, wissen wir leider nur selten. Dennoch: Ich glaube, man darf und soll auch unglücklich sein, denn das gehört genauso dazu. Unbedingt!

  • Modelirium
    Juni 1, 2015

    danke für deine worte! :)
    lg carina

  • regina
    Juni 1, 2015

    Genau das hat mir eben dabei geholfen die Jalousien hoch zu ziehen und das Fenster zu öffnen.. danke dafür!

  • Resi
    Juni 1, 2015

    Du glaubst nicht wie gut sich die Zeilen grade lesen, wenn man schon eine Weile unglücklich ist. Immer wieder, weil das Leben einfach nicht immer perfekt sein kann und man eben diesen Schatten braucht, um das Licht zu schätzen. Danke für die Worte!

    • Fanfarella
      Juni 1, 2015

      Freue mich, dass dich meine Gedanken ansprechen und du daraus auch etwas Positives für dich persönlich ziehen kannst.

  • Bianca
    Juni 2, 2015

    Ich geb dir sowas von recht und habe auch solche Phasen. Meine Phasen. Wo ich ich sein will und wo ich mich selber finden will, meine innere Mitte, mein Gleichgewicht und das düdeldü der Außenwelt wieder abzustreifen, das uns tagtäglich auferlegt wird…
    Und um deine Fragen weiterzuführen: wären wir denn wirklich unglücklich, wenn unglücklich sein von der Umwelt als nicht so negativ betrachtet werden würde? Als sowas wie eine Krankheit?
    Und was macht eigentlich glücklich? Das was andere haben und dem wir jeden Tag nachrennen? Das was uns die Medien vorgaukeln oder die Wirtschaft? Sind es nicht oft die kleinen Dinge im Leben? Und macht uns nicht gerade das ganz große und das ständige streben (abhetzen) danach so unglücklich? Und mit diesem Unglück meine ich nicht das, wenn man einfach mal die Rollo runtermacht, die Decke übern Schädel zieht und einfach mal nix und niemanden sehen und hören will – denn ich finde, dass auch zwischen diesen beiden Unglücken ein riesenunterschied liegt
    These are just My 2 Cents… :)

  • Tanja
    Juni 2, 2015

    ach ich liebe ja deine Posts in denen du mal einfach darüber schreibst wie es wirklich läuft im Leben. Es kann eben nicht immer heile Welt sein und perfekt laufen.
    Würde man nicht ab und an mal in Selbstmitleid versinken und sich eine Auszeit von der guten Laune nehmen, würde man die Happy-Zeiten ja viel weniger zu schätzen wissen.
    Wichtig ist nur zu wissen, dass bei noch so vielen Wolken am Himmel früher oder später wieder Sonnenschein kommt :)

    Happy Tuesday!

  • Birgit
    Juni 2, 2015

    Ein Gedankengang den man wohl kaum besser formulieren kann! Danke für’s teilen! Ich persönlich finde dass Licht und Schatten zusammen gehören – weil woher soll man denn wissen dass es hell ist wenn es nicht auch dunkel gibt? Genauso gibt es gute Laune und Schlechte, beides – finde ich – braucht man zum Leben. leben besteht einmal (auch) aus vielen verschiedenen Emotionen! Alles Liebe! Birgit

  • Dolce Petite
    Juni 2, 2015

    Es gibt dieses arabische Sprichwort, dass immer Sonne Wüste macht. :)

    Jasmin

  • Claudia Noreia
    Juni 2, 2015

    Hallo Julia,

    ich sage nur: „Schokolade zum Frühstück“. Was ist eigentlich unglücklich sein? Wer sagt, dass man diesen Sinneszustand nicht auch zelebrieren und geniessen soll?

    Als ich einmal gaaaaanz unglücklich verliebt war, machte ich einen Großeinkauf: Wein, Schlagobers, Torte (eine ganze für mich!), Wurst, Käse, Schokolade uvm.

    Zu Hause angekommen, habe ich mir die DVD „Schokolade zum Frühstück“ gegeben und musste dann richtig schmunzeln und über mein Unglücklich-Sein lachen! :-)

    Das Ego quasi ausgetrickst.. Also immer echt und audent sein. Es gibt kein Richtig oder Falsch – es gibt nur SEIN!

  • Miri
    Juni 2, 2015

    Du sprichst mir au der Seele, genau das beschäftigt mich zur Zeit! Danke! Lg :)

  • Irina
    Juni 3, 2015

    Liebe Julia,

    schön zu lesen, dass es nicht nur mir so ergeht. Manchmal fühle ich mich einfach wohl dabei unglücklich zu sein. Klingt irgendwie seltsam, fühlt sich aber trotzdem richtig an. Warum sollte man nicht auch mal unglücklich sein? ich glaube sowieso, das es kein Ying ohne Yang gibt, keine Sonne ohne Regen, keine Höhen ohne Tiefen. Wenn wir nicht manchmal unglücklich wären, würden wir das Glücklichsein gar nicht schätzen. Danke dir für diesen tollen Eintrag :)

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