Unser schwieriger Weg zum Wunschbaby

Diesen Text habe ich unzählige Male überarbeitet. Er wurde als Entwurf bereits vor über 2,5 Jahren abgespeichert und immer wieder aktualisiert. Ich wusste, irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ich bereit sein werde, ihn zu veröffentlichen. Und der ist jetzt.

Alles war so neu

Mir war klar, dass es dieses Mal geklappt hat, schon bevor ich den Schwangerschaftstest machte. Ich war noch nicht überfällig und eigentlich war es noch viel zu früh für einen Test, aber ich musste diesen 2. Streifen endlich sehen. Es dauerte ziemlich lang bis ich einen Hauch von einem Strich erkennen konnte, aber da war er. Ich war schwanger! Das war am 25. April 2016 und es war der Tag an dem ich mich zum ersten Mal ein bisschen wie eine Mutter fühlte. Das war meine erste Schwangerschaft von vier.

Ich hatte drei frühe Abgänge, die meisten sagen Fehlgeburten dazu. Ich wehre mich aber innerlich gegen diesen Ausdruck, weil er so hart klingt und das Wort Fehler drin steckt, und ich wollte nicht fehlerhaft sein und schon gar nicht meine Babypünktchen und weil das Wort Geburt drinsteckt und geboren habe ich sie ja auch nicht wirklich. Sie wurden herausgeschabt während einer Operation und per Sondermüll entsorgt oder auf der Toilette hinuntergespühlt, wie Ausscheidungen mit denen man nichts zutun haben will. Aber ja, ich weiß, es waren fehlerhafte Geburten.

Sind meine Zweifel schuld?

Als ich das erste Mal positiv testete, war ich anfangs sehr skeptisch, ob die Mutterschaft das richtige für mich ist. Ich hatte Zweifel, so wie viele werdende Mütter, aber als ich in der 8. Woche das Herz schlagen sah, waren die Zweifel vergessen. Zwei Wochen später schlug es aber schon nicht mehr. Waren meine Zweifel daran schuld? Was habe ich falsch gemacht? Der eine anstrengende Spaziergang zum Kahlenberg hoch, als ich so sehr aus der Puste war, dass ich Pausen einlegen musste? Ich weiß natürlich, dass so frühe Abgänge selten etwas mit äußeren Einflüssen zutun haben, aber trotzdem macht man sich Gedanken.
Ich werde nie vergessen, als mein Mann und ich zuvor im Wartezimmer saßen, lachten und uns schon die Termine für die Krankenhausbesichtigungen herausgesucht hatten. Wir waren so glücklich, obwohl die ersten beiden Untersuchungen bereits andeuteten, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber bei der letzten war endlich das blubbernde Herzchen am Monitor zu sehen. Lächelnd setzte ich mich auf den Untersuchungsstuhl und konnte dem Arzt dabei zusehen, wie sein freundliches Gesicht immer ernster und ernster und schlussendlich traurig mitfühlend wurde. Er drehte den Monitor von uns fort und suchte angespannt, aber konnte nichts mehr finden. Kein Herzschlag mehr. Es war ein Schock. Ich konnte nicht weinen, nicht reden, ich wollte einfach nur noch raus, mich vergraben, wo mich niemand sieht und dann leiden. Ich würde nie wieder im Wartezimmer eines Frauenarztes fröhlich sein können, während ich auf die Untersuchung warte.

Mein Pünktchen wollte nicht gehen

Ich wollte der Natur seinen Lauf lassen und wartete auf einen natürlichen Abgang, der leider nicht kam. Mein Körper gab mein totes Pünktchen nicht frei. Also entschied ich mich nach einem missglückten medikamentösen Abgang, für eine Ausschabung zwei Wochen später. Es war für mich eine schlimme Erfahrung, nackt und breitbeinig auf dem Operationsstuhl liegen zu müssen, fremde Menschen um einem herum, die über ganz normale Alltagsdinge plaudern, während von einem selbst nicht nur die Würde flöten geht, sondern einem gleich das kleine tote Pünktchen genommen wird, dem man doch ein wohliges Zuhause im Bauch schenken wollte. Diese fremden Menschen, alle im gleichen Kittel, mit Mundschutz, so dass ich nicht einmal ihr Gesicht sehen kann, von denen ich nicht wusste, wer mir mein Pünktchen nehmen wird und die mich zig mal nach meinem Namen fragten und weshalb ich nun operiert werde. Meine Name ist Julia Schicho und ich bekomme eine Kürettage. Das habe ich bestimmt 4x gesagt.

Das zweite Mal wird’s bestimmt gut gehen

Nach der Ausschabung ging es mir schnell besser und wir warteten drei Monate bis wir wieder probierten schwanger zu werden und es klappte nach zwei Monaten. Ich war überglücklich, denn angeblich geht eine Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt meist gut aus. Ich rechnete überhaupt nicht damit, dass auch diese abgehen könnte. Selbst als die ersten Blutungen eintraten, war ich noch optimistisch, weil ich wusste, dass leichte Blutungen durchaus vorkommen können. Als sie jedoch zunahmen, wurde mir bewusst, dass mein Pünktchen nicht überlebte – dieses Mal schon in der 7. Schwangerschaftswoche. Dieser Abgang traf mich am schlimmsten, denn beim ersten hatte ich es insgeheim irgendwie im Gefühl, dass etwas schief laufen würde, aber dieses Mal war ich so überzeugt, dass alles gut wird. Ich hatte mich geirrt. Ich tröstete mich mit dem Wissen, dass mir eine weitere Ausschabung erspart blieb, die ich sehr traumatisch in Erinnerung behalten habe.

Aller guten Dinge sind drei

Wir gaben die Hoffnung nicht auf und nahmen uns vor, dass wir es jetzt etwas relaxter angehen wollen. Ließen aber trotzdem ein paar Checks vom Arzt durchführen, der uns bescheinigte, dass wir gesund sind und weitere Untersuchung erst dann empfohlen sind, wenn noch eine weitere Fehlgeburt erfolgen sollte. Wir warteten das empfohlene Monat ab und sagten uns, das nächste Mal wird alles gut gehen. Ein drittes Mal wird es nicht schief gehen. Es dauerte ein paar Monate bis es wieder geklappt hat. Die Freude war sehr verhalten. Es gab keine große Überraschung, die ich meinem Mann vorbereitete, als ich es erfuhr. Ich sagte es ihm im Vorbeigehen in der Küche. Wir sahen uns mit einem sorgenerfüllten Blick an. So habe ich mir das nicht vorgestellt, dass eine Schwangerschaft beginnt, aber so war es nunmal.

Ich hatte große Angst vor dem ersten Termin beim Frauenarzt. Ich genoss die Unwissenheit und beobachtete meinen Körper, wie er sich veränderte und bemerkte, dass ich deutliche mehr Beschwerden und Anzeichen hatte, als beim zweiten Mal. Ich war vorsichtig optimistisch, aber gleichzeitig sehr verängstigt. Dieses Mal wartete ich nicht lange auf einen ersten Arzttermin, bestand auf einen sehr frühen in der 6. Woche. Ich wollte alle Eventualitäten frühzeitig abgeklärt wissen und gegebenenfalls Schritte einleiten. Die Untersuchung ergab, dass die Fruchthöhle noch recht klein für diesen Zeitpunkt sei. Ich wollte optimistisch bleiben, jedoch merkte mein Arzt, dass ich in mir drin mit großer Angst zu kämpfen hatte und ich durfte bereits 1 Woche später wiederkommen. Mein Optimismus verstärkte sich, als kurz darauf die Übelkeit bei mir begann. Der zweite Termin rückte näher und ich wurde immer nervöser. Außer der Übelkeit ließen alle anderen Beschwerden nach. Ich wartete fast 2 Stunden beim Arzt, bis ich endlich an der Reihe war. Es waren die schlimmsten 2 Stunden meines Lebens, in denen mir übel vor Nervosität wurde, ich Atemnot hatte und das obligatorische Blutdruckmessen nicht aussagekräftig war deswegen. Innerhalb dieser zwei Stunden malte ich mir alle möglichen Szenarien aus: Dass ich mein Pünktchen sehen würde und das Herz schlägt und alles gut wird, ich mich an diesen nervösen Zeitpunkt dann zurückerinnere und lächeln kann, weil alles gut ist. Aber auch, dass der Arzt gar nichts sehen kann und er mir sagt, dass sich nichts mehr weiterentwickelt hat.
Auf dem Untersuchungsstuhl liegend, beobachtete ich dann seine Gesichtszüge, während er sich das Ultraschallbild ansah und er nach dem Embryo suchte. Seine Miene veränderte sich kaum, er blieb die ganze Zeit ernst und konzentriert. Meine Hoffnung sank, dass sich meine Vorstellung über das pochende Herz bewahrheiten würde. Ein kleines Lächeln vielleicht? Nein, seine Mundwinkel verzogen sich nicht, stattdessen presste er die Lippen etwas fester zusammen, als würde er die folgende Nachricht gar nicht aussprechen wollen: „Ich kann leider keinen Herzschlag finden und den hatten wir uns ja für heute erwartet. Außerdem ist die Form der Fruchthöhle auffällig, aber das muss nicht unbedingt etwas heißen. Kommen Sie in 4 Tagen wieder. Ich möchte nicht sagen, dass es nicht gut aussieht, aber wenn Sie zu bluten beginnen sollten, dann geben Sie Bescheid.“ Ich zog mich an, packte meine Sachen zusammen und unterdrückte die Tränen, bis ich in den Armen meines Mannes lag, der die ganze Zeit mit unserem Hund vor der Türe wartete.
Vier Tage später war ich wieder bei meinem Arzt. Er begann mit der Untersuchung und wieder suchte ich seine Gesichtsregungen ab. Dieses Mal war ich auf eine negative Nachricht vorbereitet und wartete auf das Schieflegen seines Kopfes und seine traurigen Augen, die mitfühlend auf mich herabblicken. Nach nur wenigen Sekunden drehte er den Monitor zu mir und zeigte mir das pulsierende Bläschen im Ultraschallbild. Es gibt ein Herz und es schlägt! „Das haben Sie jetzt nicht erwartet, stimmt’s?“ sagte er, selbst davon überrascht, ein schlagendes Herz entdeckt zu haben. Ich schüttelte den Kopf und Tränen der Erleichterung rannen über meine Wangen. Der erste große Meilenstein war damit geschafft: Ein schlagendes Herz. Damit sank die Wahrscheinlichkeit eines Abganges deutlich und ich nahm mir fest vor, ab nun entspannter zu sein, um meinem kleinen Pünktchen nicht zu schaden.
Ich musste nun zwei Wochen auf den nächsten Termin warten und ich fühlte mich ein bisschen wie eine „normale“ Schwangere, die nicht alle paar Tage vorstellig wurde. Die erste Woche verging sehr schnell, die Übelkeit und Müdigkeit hielten an, aber das typische Ziehen im Bauch ließ nach. In der zweiten Woche wurde ich sehr ungeduldig und ich spürte, dass etwas nicht in Ordnung war, aber ich schob es auf meine generelle Angst und zwang mich, positiv zu denken. Ich machte mir einen Termin für die Pränataldiagnostik aus, verabredete mich mit einer Freundin zu einer Babymesse und ich begann langsam ein paar Krankenhäuser auszuwählen.
Ich war in der 11. SSW als endlich der Tag des Arzttermins gekommen war. Es war der Termin, an dem ich den Mutterkindpass bekommen würde und er lag bereits am Schreibtisch des Arztes – bereit dafür, das da jemand meinen Namen reinschreibt und den Geburtstermin. Ich wollte dieses Ding endlich haben. Der Arzt begann mit der Untersuchung und ich starrte dabei meinen Mann an, der neben mir angespannt auf den Monitor blickte. Ich hatte so Angst vor der Gesichtsregung des Arztes, ich wollte sie nicht sehen. Stattdessen sah ich es im Gesicht meines Mannes, der den Arzt beobachtet. Es war wieder vorbei. Kein Herzschlag. Ich konnte nicht weinen und nichts sagen. Und ich wollte das tote Pünktchen dieses Mal schnell loswerden. Diese weitere Enttäuschung hinter mir lassen. Diese Fehlerhaftigkeit von mir.

Kürettagen sind Routineeingriffe, aber nicht für die Frau

Schon am nächsten Tag schluckte ich die Tabletten, die einen Abgang einleiten sollten. Auch dieses Mal klappte es nicht. Ich wartete 10 Tage, aber nichts passierte. Drei Wochen nach der Diagnose meines Arztes, überwand ich mich zu einer Ausschabung. Ironischerweise war meine 1. Ausschabung exakt am gleichen Datum, nur ein Jahr zuvor. Dieses Mal fühlte ich mich besser aufgehoben, verlangte die Ärztin vorher kurz zu sehen, die die Operation durchführen würde. Aber leider verlief die Operation dieses Mal nicht so komplikationslos wie die erste und ich musste bei der Nachbehandlung sehr schlechte Erfahrungen in einer Wiener Frauenklinik machen, die mir gelehrt haben, dass Ärzte auch nur Menschen sind wie du und ich und sie nicht das Recht haben, mit dir zu machen, was und wie sie wollen. Ich hatte sehr starke Schmerzen danach und wurde brutal und unsensibel untersucht, gezwungen über Nacht zu bleiben und wie eine Verrückte behandelt, die sich die Schmerzen nur einbildet. Ich vermute, weil man den Fehler vertuschen wollte. Denn offenbar wurde nicht nur nicht komplett ausgeschabt – es blieben Reste übrigen-, sondern ich wurde auch verletzt bei der OP, was die Heilung schmerzhafter und langwieriger machte. Es ist irrwitzig, wie sehr man einem fremden Menschen vertrauen muss, wenn man Schmerzen hat, nur weil derjenige einen weißen Kittel trägt, ein paar Jahre studiert hat und meint, er/sie habe jetzt die Macht. Dieses Vertrauen kann schnell missbraucht werden, wenn man sich als Patientin nicht auf die Hinterbeine stellt und klare Grenzen zieht. Das habe ich gelernt. Ich bin nicht nur Patientin, sondern Kundin und wenn ich nicht zufrieden bin, dann muss ich gehen können. Das war der Punkt, an dem ich mich privat versichern ließ. Jedenfalls ging bei der letzten Ausschabung etwas schief, was manches Mal passieren kann und die Natur oft von selbst korrigiert. Bei mir leider nicht und deshalb musste ich ein paar Monate später ein drittes Mal operiert werden, aber dieses Mal von meinem neuen Frauenarzt in einer Privatklinik.

Ich bin nicht mehr ich selbst

Drei erfolglose Schwangerschaften innerhalb eines Jahres, das nagte nicht nur an meiner Psyche, an meinem Körper und den Hormonen, sondern auch an der Partnerschaft in Folge.
Was dann folgte war einerseits Verbitterung und andererseits tiefe Traurigkeit. Ich war mit mir selbst so unzufrieden, dass ich mit meiner Umgebung auch sehr hart ins Gericht ging. Mich für andere zu freuen oder mitzufreuen, aber auch mit anderen mitzuleiden, das fiel mir sehr schwer. Wenn ich mit den Kindern meiner Freundinnen war, so war ich hin und hergerissen zwischen großer Freude und Tränen. Und als ich mit meinem Mann im Urlaub war, umgeben von Familien und Kindern, dann störte mich der Krach der Kinder umso mehr. Aber wenn ich ehrlich bin, dann störte mich das Vorführen der eigenen gefühlten Nutzlosigkeit, beim Anblick der beschäftigten Eltern, wenn sie sich um ihre Kinder kümmern, die Kleinen sich ankuscheln oder auch im Meer an einem Stein den Zeh stoßen und nach der Hilfe von Mama und Papa verlangen.

Ich war sehr darauf bedacht, dass Dinge nun funktionieren. Dinge die ich kontrollieren konnte. Noch nie hatte ich schöner manikürte Fingernägel. Und wenn etwas nicht so klappte, wie ich es geplant hatte, wurde ich sehr schnell ungehalten. Mein Mann hatte da eine Engelsgeduld und erstickte jeden Streit im Keim. Ich brauchte viel Zeit für mich alleine, fuhr das erste Mal für ein paar Tage alleine weg. Und es nervte mich ungemein, dass ich darüber nicht reden konnte. Dass ich diesen Blogbeitrag seit dem ersten Abgang schreibe und erst jetzt veröffentliche. Man stelle sich vor, ich hätte ihn schon früher veröffentlich: Im Job hätten alle über meinen Kinderwunsch Bescheid gewusst und auch ihr LeserInnen. Zu wissen, dass da noch jemand wartet, dass ich endlich schwanger werde, das war mir zu viel Druck. Es nervte mich ja schon, dass ich darauf wartete.

Nett gemeinte Worte

Erwähnte ich die Fehlgeburten im Freundes- und Bekanntenkreis, fühlen sich manche dazu berufen, Ratschläge zu geben. Sie sind natürlich nett gemeint, aber man kann davon ausgehen, dass eine Frau mit mehrfachen Fehlgeburten bereits Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat, damit das nicht mehr passiert. Am schlimmsten waren Kommentare a la „Das nächste Mal wird es klappen, einfach weitermachen,“ oder „Es hat wohl nicht sollen sein,“ oder „Das Kind wäre sicherlich nicht lebensfähig gewesen, gut dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass es nicht auf die Welt kam.“ Ich könnte da noch ein paar mehr beisteuern, aber lieber möchte ich euch zwei hilfreichere Kommentare nennen. Einer kam von meiner Schwägerin: „Kinder haben auch ungeboren schon ihren eigenen Kopf. Und sie kommen, wenn sie kommen wollen.“ Und ein weiterer kam vom doch recht abgeklärten Ambulanz-Arzt: „Heutzutage verkraften wir schlechte Nachrichten schwieriger. Wir sind verwöhnt und es geht uns einfach sehr gut. Schlechte Nachrichten und Rückschläge gehören aber zum Leben und auch wenn es bitter ist, Fehlgeburten gehören auch dazu. Viele Frauen haben das, Sie sind nicht alleine! Es wird nur leider nicht darüber geredet. Ich habe Patientinnen, die sieben Fehlgeburten hatten, bis sie ein gesundes Kind auf die Welt brachten oder eine meiner Patientinnen hatte nach vielen Fehlgeburten sogar eine stille Geburt, aber steht jetzt kurz davor ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen. Das hilft Ihnen jetzt wahrscheinlich nicht viel, aber machen Sie weiter, erholen Sie sich, aber nicht zu lange und dann machen Sie weiter. Am Ende kommt so gut wie immer ein Baby dabei heraus, vertrauen Sie mir. Lassen Sie sich nicht davon entmutigen.“

Und das haben wir nicht.

Ein Plan musste her

Ich wechselte den Arzt und landete bei einem Spezialisten für mehrfache Fehlgeburten (wer den Kontakt will, mir bitte eine Nachricht schicken), der die letzte Operation an mir durchführte. Wir warteten die empfohlene Zeit ab und bevor wir wieder loslegten, erhielt ich ein paar unterstützende Präparate vom Arzt. Wir rollten dem Baby quasi den roten Teppich aus. Es klappte gleich beim 1. Zyklus und ich wurde wieder schwanger. Es musste während unseres Dubai-Urlaubes passiert sein und ich spürte auch dieses Mal sehr früh, dass es wieder geklappt hat. Niemand glaubt mir das, aber ich wusste es bereits 1,5 Wochen später mit Sicherheit und ohne Test. Da waren wir gerade in Abu Dhabi. Wenn man so lange versucht schwanger zu werden und zu bleiben, dann kennt man seinen Körper plötzlich in- und auswendig. Wir waren so positiv gestimmt, vertrauten unserem neuen Arzt und wollten nicht glauben, dass es ein viertes Mal wieder schief lief. Trotzdem, die ersten drei Monate waren reine Folter, aber mein Arzt schenkte uns so viel Zuversicht, dass wir mit jedem Kontrolltermin immer mehr daran glaubten, dass es dieses Mal wirklich klappen könnte. Parallel ging ich noch zu einer TCM-Ärztin, die meine Ernährung anpasste und ich erhielt Akupunktur, um das kleine Leben in mir zu stärken. All das schenkte uns Kraft, dass wir am richtigen Weg sind und wir mussten in keine besorgten Gesichter mehr blicken. Es war medizinisch gesehen, eine Bilderbuch-Schwangerschaft.

Warum erzähle ich das euch?

Weil es dieses Tabu gibt, nicht über Fehlgeburten zu sprechen. Und wenn, dann sagt man das einfach so nebenbei, aber als Außenstehende kann man sich wenig darunter vorstellen. Und weil ich es mir von der Seele schreiben musste. Und zu guter Letzt, weil ich mir sicher bin, dass hier ganz viele Frauen sind, die Ähnliches durchgemacht haben oder gerade da drin stecken und denen ganz oft gesagt wird, dass das was vollkommen normales ist und so oft passiert. Für einen selbst, bricht aber oft eine Welt zusammen und gefühlt niemand spricht darüber. Auf Instagram sieht man immer nur fröhlich lachende Mamis, die Ultraschallbilder mit blubbernden Herzen in die Kamera halten, mit ihren Dickbäuchen und Babys, aber niemand weiß, was wirklich dahintersteckt. Dass bei ganz vielen Frauen ein langer Weg zu gehen war, bis sie ihren Schatz in den Armen halten durften. Ich weiß nun, dass es ein Privileg ist, Eltern zu sein und bin so dankbar dafür! Es ist natürlich jedem selbst überlassen darüber zu sprechen, aber ich war immer sehr erleichtert zu bemerken, dass man tatsächlich nicht alleine ist und dass es nicht schlimm ist, darunter zu leiden, aber auch nicht schlimm ist, wenn man es schnell wegstecken und einfach weitermachen möchte.