Zwischen Freude, Ängsten, Zweifel und einem anderen Körpergefühl

„Also von mir aus, könnte sie jetzt jederzeit kommen“, sagte die Ärztin zu mir, nachdem sie uns verraten hatte, wie groß und schwer unsere Zwergin mittlerweile war. Keine so kleine Zwergin mehr. Einziger Haken: Zu diesem Zeitpunkt waren es noch 14 Tage bis zum errechneten Geburtstermin und pro Woche legen die Babys ca. 200g zu sagt man. Zeit, in der auch der Kopfumfang zunimmt und auf den kommt es ja viel mehr an, versuchen mich meine Familie und Freunde aufzumuntern. Klappt aber nicht so ganz, wenn ich ihnen diesen auch sage. Meist folgt eine mitleidige Umarmung, ein gezwungenes Lächeln und das Kommentar, dass schon alles gut gehen wird und die Natur das schon so eingerichtet hat, dass es klappt und außerdem sind diese Werte ja alle nicht zu 100% zuverlässig. Die Ärzte liegen selten damit richtig.

Abwarten und Tee trinken. Im wahrsten Sinne des Wortes nämlich. Himbeerblättertee und Yogi-Tee sind immer griffbereit. Die (werdenden) Mütter unter euch wissen Bescheid. Wir wollen ja nichts überstürzen und für schwere Geschütze ist es ja wirklich zu früh.

War ich bis jetzt recht relaxed und habe mir wenig Sorgen wegen der Geburt gemacht (Mutter Natur regelt das schon), habe ich mittlerweile in jedem meiner schlauen Bücher den Teil über die Geburt quasi auswendig gelernt. Aber ich habe eine tolle Hebamme, eine erfahrene Ärztin, die Schwangerschaft verläuft komplett komplikationsfrei und jetzt kommt es darauf an, das Vertrauen in mich und mein Baby zu stärken.

Jetzt, so kurz vor knapp, mache ich mir doch Gedanken, wie ich das wohl schaffe. Weil schaffen, muss ichs auf jeden Fall. „Raus, kommen sie alle“, höre ich von allen Ecken und Enden.

Und dann der Gedanke, dass man uns nach ein paar Tagen mit so einem Bündel Leben in den Alltag entlässt. Einfach so. Ohne dass wir als besonders fähig und vertrauenswürdig ausgezeichnet wurden. Zweifel und Ängste die wohl sehr viele Frauen haben und ich mir sage, ganz natürlich sind.

Zweifel ziehen sich auch weiter, wenn es um mein Körpergefühl geht. Ich fühle mich schon lange einfach nicht wohl in meinem Körper und gehöre definitiv nicht zu jenen Schwangeren, die verträumt über ihren dicken Bauch streicheln und diesen liebevoll in „Style-the-Bump“-Outfits verpacken. Sehe ich mir Fotos und Videos von vor 3 Jahren an, so ist diese Frau mir wie fremd. Sowohl optisch, als auch von der Art.

Ich habe das Gefühl ein anderer Mensch zu sein und das meine ich nicht sonderlich positiv ehrlich gesagt.

Die vorangegangenen unglücklich geendeten Schwangerschaften hatten großen Einfluss auf mein Körpergefühl, aber auch auf den Stoffwechsel und auf meine Essensgelüste. Hinzu kam, dass ich bei jeder Schwangerschaft immer so besorgt war, dass im Nachhinein betrachtet, Essen für mich stimmungsaufhellend wirkte. Eine vollkommen neue Entwicklung, denn bisher hörte ich auf zu essen, wenn ich unglücklich war. So kam es, dass ich mit meinem Höchstgewicht nun schwanger wurde und so ziemlich das Maximum zugenommen habe bisher, was man so zunehmen „darf“. Na gut, vielleicht ein paar Kilo sogar mehr.

Und ich wollte es ja eigentlich nie glauben, dass es das tatsächlich gibt, aber ich habe wirklich unangebrachte Sager zu meiner Zunahme bekommen, die nicht gerade hilfreich waren.

Mir wurde bspw. direkt ins Gesicht gesagt, dass ich ganz schön rund geworden bin und dass ich aufpassen sollte, nicht noch mehr zuzunehmen (wegen der Optik, nicht wegen der Gesundheit). Bitte nicht falsch verstehen, ich bin kein Fan davon, dass die Schwangerschaft als Ausrede gilt, sich jetzt ordentlich gehen zu lassen, aber nicht jede Frau schupft eine Schwangerschaft psychisch und physisch so ganz nebenbei. Die eine ist hoch emotional, die andere kotzt sich die Seele aus dem Leib und die andere hat gefühlt ständig Hunger. Was der Körper und der Geist in dieser Zeit leisten, weiss man wohl erst, wenn man selbst da drin steckt und ich habe nun deutlich mehr Bewunderung für Mütter.

Ich bin so dankbar, dass ich ein zweites Herz in mir schlagen habe und ein Leben schenken darf. Ich weiss, dass das nicht selbstverständlich ist und sehe es als ein grosses Geschenk. Und gleichzeitig sehne ich mich danach, wieder mehr Ich zu sein und bin der Meinung, dass man die Schwangerschaft auch gerne zu Ende bringen will, mit dem Ziel vor Augen, sein Kind in den Armen zu halten. Und auf diesen Moment lebe ich momentan hin.

Es überwiegt nämlich die (Vor)Freude. Jedes Mal wenn ich dieses Ziehen und Stechen verspüre, den Druck nach unten, mein Puls etwas schneller geht – die Vorwehen sich ankündigen. Denn diese bringen uns der Geburt immer näher und ich tu mir langsam wirklich schwer geduldig abzuwarten, bis es richtig losgeht. 9 Tage sind es nun noch bis zum Geburtstermin. Alle Zeichen stehen darauf, dass sie schon kommen dürfte. Ich will sie endlich in den Armen halten und wissen, dass es ihr gut geht und wir als Familie in ein neues Leben starten können. Ich bin schon so gespannt darauf, wie sie so tickt und welche Eigenheiten sie hat, welche Talente in ihr schlummern und auf ihr erstes Lachen.

Und ich freu mich schon so darauf mich als Mutter kennenzulernen. Wie ich mich weiterentwickle und meine Beziehung zu Andreas. Und ich denke, auch das sind ganz normale Gedanken.