Kaufe selbst, dann hast du mehr

Das Konzept „Das lasse ich mir von meinem Freund kaufen“ finde ich ja sehr interessant. Ich verurteile es nicht samt und sonders, doch leider ist es nicht steuerbar und auch nicht immer umsetzbar. Also nicht dass ich es nicht probiert hätte, aber irgendwie ist das schwer mit meinem Stolz zu vereinbaren. Und natürlich mit dem Gewissen. Ok, der Typ spielt da nicht immer nicht, und scheiss aufs Gewissen und diese pseudo soziale Erwünschtheit. Wenn er sich dadurch männlicher, besser und als der Versorger fühlt, dann soll man diesen Mann davon nicht abhalten.

Aber wenn man den Mann gerne länger behalten möchte, dann macht man das eher nicht. Denn ab dem 24. Mal „Schaaaahaaatz, das ist soooo schön! Schade dass ich mir das nicht leisten kann, ich würde das soooo gerne tragen um mich für dich hübsch zu machen und dass du auf mich stolz sein kannst,“ wird er voraussichtlich stutzig. Hoffentlich, denn wer will schon mit einem Dummkopf zusammen sein? Nur Dummköpfe natürlich. Und ab und an kommt ein bisschen Bescheidenheit und ein Bewusstsein für seine Ausgaben ganz gut an.

Und dann ist es meistens so…. kindisch. Weil, nur Kinder können sich in der Regel ihre Sachen nicht selbst kaufen und nur Kinder beschwafeln und bezirzen damit sie das bekommen, was sie sich wünschen. Und Gott bin ich froh kein Kind mehr zu sein und niemandem Freundlichkeit und Unterwürfigkeit vorheucheln zu müssen, damit ich mehr Kleider in den Schrank hängen kann! Daher verfolge ich die Strategie „Kaufe selbst, dann hast du mehr.“

Denn dann kann ich mir einfach das kaufen, was ich gerade jetzt haben möchte. Ich muss mich nicht als hilfloses, mittelloses und unterwürfiges Blondchen kompromittieren und auch meinen Stolz und meine Würde muss nicht im licht- und luftleeren Hinterzimmer der Emanzipation bleiben, sondern darf mit zum Shoppingmarathon. Und dort lassen wir dann die Kreditkarte glühen und schöpfen den zuvor geschickt ausverhandelten größeren Einkaufsrahmen aus. Ich erspare mir dadurch Diskussionen wie „Das hast du doch schon!“ (Blödsinn, sieht vollkommen anders aus), „Das brauchst du doch nicht!“ (Schweig, du Banause!) oder „Ich bezahle, also entscheide ich!“ (Aber ich trage es!). Ja, dann kommt eben das 14. Paar schwarze Pumps mit und die Body-Chain und das von ihm verhasste Balloonkleider. Stück für Stück wächst mein Schrank, und zwar in meinem Tempo. Und ich liebe mein Tempo!

Und dazwischen lass ich mir natürlich gerne etwas schenken, aber nichts, das ich brauche! Wehe ich bekomme etwas, das ich brauchen kann – denn das kann ich mir auch selbst kaufen. Also zum Beispiel Schmuck, ähm… also den brauch ich eigentlich nicht… so, als kleinen Hinweis…

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