Ab wann ist ein Heiratsantrag eigentlich ein Heiratsantrag?

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Normalerweise würde man diese Frage damit beantworten, dass einer den anderen fragt. Ganz simpel. Aber interessanterweise haben Paare ohne Abneigung gegenüber der Ehe, im Laufe einer Beziehung eine neue und besonders kreative Art des Eiertanzes eingeführt. Es geht darum, möglichst dicht, unauffällig und unverbindlich an dieser Frage herumzueiern. Bedeutet: Man erzählt einander von seiner Traumhochzeit, erstellt gemeinsam Gästelisten und einigt sich auf eine Gästeanzahl, speckt vorausschauend ein paar Kilos ab und lässt seit Jahren bewusst ein Urlaubsland aus, damit man dort seine Hochzeitsreise unternehmen kann. Oder bin ich da mit meiner Beobachtung alleine? Bestimmt nicht, wir kennen doch alle solche Paare. Oder gehören selbst dazu.

In meinem Freundeskreis wird gerade kräftig geheiratet. Drei Frauen wurden von ihren Männern gefragt, eine davon mehrmals und eine weitere Frau nahm die Sache selbst in die Hand. Und es gibt Kandidatinnen, die nichts dagegen hätten, ebenfalls in diesem Kreis der Bride-to-be aufgenommen zu werden. Die ihre bereits recht umfangreiche Sammlung an Script Fonts für die „Save the date“ Karten im Einsatz sehen wollen (apropos ihr müsst euch die Burgues Scrip Font ansehen), DEN Verlobungsringe auf Facebook sharen, DAS Kleid auf Pinterest pinnen (ähm…) den Beziehungsstatus auf der Warteliste des Bauträgers der Traumwohnung ändern würden und eine Lawine an Kohle bereit wären auszugeben für einen 5 stöckigen Traum in Tortenform mit Nuß-Mohn-Schokoladenmasse, Fruchtcremefüllung und fliederfarbenes Zuckerfondant im Rüschendesign, verziert mit cremefarbenen Pfingstrosen, Bunting (awwww….) und Zuckerperlen und… Ok, wo war ich? Ah ja,… Man redet einander bereits mit „mein Mann“ und „meine Frau“ an, hat den Caterer schon ausgewählt, das Zeltdesign und die Tischordnung hängt eigentlich nur noch davon ab, ob Tante Ulli und Oma Hilda sich noch vor der Feier über das beste Mohnkuchenrezept einigen können.

Und dann kommen die Anträge, die eigentlich keine sind. Oder doch? Von ihm und auch von ihr. Aber nicht so, wie man es sich erwartet hat, sondern so nebenbei in einem belanglosen Satz verpackt. Also eigentlich misslungene Eiertanz-Einlagen, vor dem Kühlregal in einem Bio-Supermarkt oder der Nachtauslage des Luxusjuwelliers. Ok, es ist dann nicht wirklich eine Frage, mehr eine Aussage wie bspw „Wir müssen in einem Schloss heiraten“ oder „Meinen Polterabend feiere ich in Hamburg, du kannst ja nach Vegas fliegen“ oder „Meine Verwandtschaft einzufliegen, wird richtig teuer werden“ oder „Der Ring würde dir wunderbar passen und könnte ich mir sogar jetzt schon leisten“. Oder man redet über die misslungene Hochzeit eines gemeinsamen Freundes und erwähnt plötzlich all das, was bei „unserer“ Hochzeit ganz anders sein würde. Nein, wir werden sicherlich nicht kirchlich heiraten, und außerdem soll es dann ein Feuerwerk geben und nicht nur Wunderkerzen, und einen weißen Anzug wird er sicher auch nicht tragen und sie will nicht kitschigromantisch mit Kutsche vorfahren, das Kleid keinesfalls mit Strasssteine verziert sein und außerdem, DAS soll ein Hochzeitskuss gewesen sein? Und die Ehe selbst wird natürlich viel gleichberechtigter sein und nein, wir werden in der Rente bestimmt nicht noch die Schulden der Hochzeitsfeier abbezahlen wollen.

Irgendwann sitzt man dann wohl mal zusammen, hat eigentlich alles schon besprochen und dann wirds wohl am Ende nicht mal mehr ein Satz sein. Sondern mehr ein „Na, jetzt wirds wohl Zeit…“

Und dann noch abschließend etwas: Ob es eine Ehe braucht, um gemeinsam glücklich sein zu können, das ist jedem selbst überlassen. Ich denke, dass es dafür keinen Trauschein braucht, wenn sich beide darüber einig sind. Trotzdem: An der Ehe sehe ich persönlich mehr die romantische Seite, weniger die vertragliche oder abgesicherte und deshalb bin ich eine Befürworterin der Ehe. Und das, obwohl ich ein Scheidungskind bin.

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