Verzweifelt auf der Suche nach Liebe

Heart Symbol / Fanfarella

Heart Symbol / Fanfarella

Unter meinen langjährigen Lesern ist es kein Geheimnis, dass ich doch recht lange Single war. Sehr lange. Und das lag nicht daran, dass ichs mir so ausgesucht habe. Klar wie man sich bettet, so liegt man und ich wollte eine Zeit alleine gebettet liegen. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich denkt, was läuft da eigentlich schief mit mir? Warum bin ich offensichtlich nicht fähig, meinen Märchenprinzen zu finden? Verdiene ich es etwa nicht? Ich hab doch so viel zu geben und warum will das niemand? Und warum springt mein Herz bei niemandem höher und wenn es denn dann doch etwas hüpfen sollte, dann tritt jemand drauf und hält es mit Gewalt wieder am Boden fest. Ja, so lustig meine Singletexte manchmal waren, so traurig war ich manchmal aber auch. Warum ich das erzähle? Weil man mir letztens vorwarf, dass ich ja doch schon sehr verzweifelt auf der Suche war, und das hört man eigentlich nicht gerne als Ex-Single, oder?

Und dann habe kurz überlegt. Rekapitulierte all die Frösche und Möchte-gern-Prinzen, die amüsanten Dates, die Momente im Club, wenn man sich umsieht und bemerkt, dass das doch eh alles sinnlos ist, die Fehltritte und Hoch-Zeiten, den Spaß und die durchtanzten Nächte, die Männer, die einem zum Lachen brachten und dann recht bald auch zum Weinen, an jene, die ein aufregendes Abenteuer waren und die Sehnsucht. Es war mir dann schnell klar: „Ich erkenne nichts Verzweifeltes daran, wenn man auf der Suche nach Liebe ist.“

Single sein kann richtig lustig sein, man lernt meist mehr Leute kennen, als wenn man in einer Beziehung ist, man springt eher über seinen Schatten, man macht vielleicht sogar Entwicklungen durch, die man in einer Beziehung so nicht gemacht hätte. Und wenn ich doch an der „wahren Liebe“ zweifelte, dann lud ich mich zu glücklichen Pärchen ein und holte ich ich mir dort meine Ration „Liebe“. Wenn ich aber bei streitenden Pärchen bin, verabschiedete ich mich meist in eine lange Partynacht und genoss es solche Sorgen nicht zu haben, emotional von niemandem abhängig zu sein. Ich bin in meiner Singlezeit definitiv eine andere geworden und ich bin froh darüber, denn all das hat mich zu meiner großen Liebe geleitet.

Nein, verzweifelt finde ich es keineswegs, wenn man auf der Suche nach Liebe ist, nach einer Beziehung, das ist doch vollkommen normal. Man darf auch ruhig mal traurig sein, wenn man nicht zu den Glücklichen gehört, die ihre Liebe schon früh gefunden haben oder wenn es mal wieder nicht gefunkt hat bei einem. Warum auch nicht? Über kurz oder lang gehört zur Partnersuche Glück und die einen haben davon eher mehr, als andere. Und wenn man dann in unschönen regelmäßigen Abständen von den in rosaroter Watte eingepackten Pärchen gefragt wird, warum man denn immer noch Single sei, dann würde man doch eigentlich am liebsten im Strahl kotzen und ihnen all ihr verkacktes Glück aus den Herzerlaugen wischen. Also freut euch und seid still, ihr verliebten Pärchen.

Eigentlich finde ich es total toll wenn jemand zugibt, dass er/sie auf der Suche ist, denn dank „Schwiegertocher gesucht“ & Co gilt die Partnersuche ja schon fast als lächerlich jämmerlich. Da die Größe zu habe und dazu zu stehen, dass man online sucht und offline soundso, das empfinde ich als ehrlicher, als jemand der sich darüber lustig macht. Und damit meine ich nicht jene, die bewusst keinen Partner wollen, aber bei denjenigen apelliere ich an ihre Toleranz, dass es eben auch Menschen gibt, die Zweisamkeit und Liebe wollen und es eben nicht verzweifelt ist, wenn man sucht. Das einzige was ich als Verzweiflungstat ansehen bei der Partnersuche ist, wenn man sich in eine Beziehung stürzt, nur damit man nicht alleine ist. Und selbst da überlege ich gerade, mit „Schwiegertochter gesucht“ Beschallung im Hintergrund, ob denn die gewonnene Zweisamkeit die Verzweiflung aufhebt… Was meint ihr?