Wenn Schuhe sprechen könnten, dann…

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Letztens musste ich mal wieder Schuhe ausmisten. Alleine diesen Satz zu lesen, das tut weh, stimmts? Aber es musste sein, weil neue Schuhe einziehen wollten, deshalb müssen alte und gebrechliche Platz machen. Tja, mein Schuhschrank ist nunmal kein Sozialstaat, sondern dort herrscht beinharte Diktatur. Wer ich bin, ist ja wohl klar, oder? Genau, ich bin das Opfer! Denn immerhin muss ich mich dann nicht nur von alten, im besten Fall gar nicht mehr vorzeigetauglichen Schuhen trennen, sondern auch von Abenteuern, die ich in den Schuhen erlebt hatte. Na gut, die Erinnerungen bleiben, aber es hilft, wenn man die alten Schuhe immer wieder im Regal stehen sieht und sich dann denkt: “Hach ja, in diesen Pumps bin ich betrunken durch den Tiefschnee gestolpert und sie haben super gewärmt. Oder es war der Alkohol”.

So ein Paar das letztens ziehen hätte sollte, sind jene schwarzen Pumps von Buffalo. Es gab eine Zeit, da waren es Lackpumps, davon sind nur noch minimale Spuren über. Jetzt sind sie überzogen von den Zeichen der Zeit, viele Schrammen und Kratzer erzählen genauso viele Geschichten. Man könnte meinen ich werde jetzt etwas theatralisch und vergleiche die Abschürfung bei der Ferse mit den alten Schrammen in meinem Herzen und die Kratzer an der Zehenkuppe mit den vielen Lachfältchen im Gesicht. Und ja das tu ich jetzt, denn es ist so passend finde ich. Schuhe sind einfach unsere täglichen Begleiter und böse Zungen könnten behaupten, dass Frauen eine ganz besondere Schwäche für sie haben, dass sie sogar ihr letztes Hemd dafür geben würden. Aber ganz ehrlich, wer braucht schon ein schnödes Hemd, wenn man schicke Schuhe dafür haben kann?

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Ich stand also vor meinem Schrank und musste ein Paar auswählen, das gehen musste. Eines, das ich schon länger nicht mehr getragen habe, musste es sein. Eines, das ich vielleicht sogar noch gar nicht richtig getragen habe, weil sie einfach höllisch schmerzen. Oder auch eines, das bestenfalls schon Löcher in der Sohle hat und mit tiefen Kratzern übersehen ist, dass ich mich damit eigentlich nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen kann. Immerhin bin ich in einem Alter in dem zumindest die Accessoires hochwertig aussehen müssen. Ja das Alter kommt, glaubt mir, und dann ists vorbei mit Deichmann-Schuhen und Forever21-Schmuck. Letzteres klappt nicht ganz bei mir, ich häng einfach an diesem billigen Glitzerschrott, oje.

Also fiel meine Wahl auf meine alten Buffalo-Schuhe aka Party-Schuhe aka Bierpfützen-herumhüpf-Shakeshakeyourbootie-Schuhe. Und plötzlich fielen mir so viele Erinnerungen ein, die ich mit diesen Schuhen verbinde: Dates die ich hatte in der Lackschuh-Zeit, als ich dazu hübsche, einen Ticken zu kurze, Kleider trug. Gemeine Abfuhren die ich erteilte a la “Was hab ich getan, dass du denkst, ich hätte Interesse daran gehabt, dass du mich jetzt ansprichst?”. Gemeine Abfuhren die ich nach einer wilden Schmuserei – ja es war nur eine Schmuserei. Ehrlich. Hach… – bekommen habe a la “Ich ruf dich an”. Mein Run zu einem Taxi, der in einem angebrochenen Knöchel geendet hat und mir eine High-Heel-Abstinenz für mehrere Monate eingebrockt hat. Unzählige Besuche in Clubs, in denen man mir unzählige Male auf die Schuhe gestiegen ist und ich dann am Ende nur noch diese Schuhe trug. Quasi Arbeitsschuhe für die damalige Single-Frau auf der Suche nach Mr. Right unter der Diskokugel. Und selbst als man mich schon darauf angesprochen hat, dass ich diese Schuhe eigentlich nicht mehr tragen kann, weil sie schon so schäbig aussehen, habe ich sie immer noch getragen. Sie wurden dann zu meinen Nacht-Schuhen. Schuhe, die ich nur nachts tragen kann, weil man nur nachts nicht so gut erkennen kann, wie demoliert sie tatsächlich sind. Außerdem schaut in Clubs doch soundso niemand auf die Schuhe, oder? Wer in pinkfarbenen Rauleder-Peep-Toes in einen Club geht, ist meiner Meinung nach für alles was folgt selbst schuld.

Kann ich mich also wieder zu einem Opfer machen? Indem ich diese, ja geschichtsreifen Schuhe einfach in den schwarzen Müllsack stecke, sie in die Tonne werfe und dann vielleicht bei wem anderen eine zweite Chance bekommen? Nein, das geht nicht. Wieso nicht? Weil mir doch tatsächlich aufgefallen ist, dass ich mir diese Gedanken wohl schon einmal gemacht habe und mich damals entschlossen habe, dass ICH ihnen eine zweite Chance schenken möchte. Ich habe sie nämlich damals neu besohlen lassen und einen neuen Absatz montieren lassen. Sie sind sogar vom Schuster des Vertrauens mit schwarzer Farbe neu eingestrichen worden (obwohl ich das nicht gewollt habe, aber da hat wohl wer erkannt, dass ich an den Schuhen hängen muss, wenn man solche Wracks zum Reparieren bringt). Außerdem ist diese Wegwerfgesellschaft soundso zu verteufeln und Müll muss reduziert werden und im Grunde genommen, kann man darin noch laufen und das ist doch der Sinn von Schuhen, oder? Also ich finde das waren jetzt genügen Gründe, dass ich die Schuhe wieder auf ihren ursprünglichen Platz zurückstelle. Und die Neuen? Ich glaube unter meinem Bett habe ich noch Platz.

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9 Comments on Wenn Schuhe sprechen könnten, dann…

  1. Sophia
    14. Mai 2014 at 19:54 (7 months ago)

    Dein Schreibstil ist einfach nur toll!
    Fällt mir bei jedem neuen Post auf :)
    Liebe Grüße Sophia

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    • Fanfarella
      15. Mai 2014 at 00:16 (7 months ago)

      oh dankeschön, das freu mein kleines schreiberlingherz :)

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  2. fitandsparklinglife
    14. Mai 2014 at 20:52 (7 months ago)

    Oh, das kenne ich zu gut. Bei mir gibt es dann noch die Alternative: Innenstadt-Schuhe. Das heißt der Absatz hat sowieso schon so Macken, dass ihm jedes Kopfsteinpflaster egal ist, aber hauptsache, ich kann sie noch anziehen!!! :) Schon ein bisschen verrückt eigentlich ;)

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    • Fanfarella
      15. Mai 2014 at 00:16 (7 months ago)

      ahhhh die hab ich auch :D

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  3. tanja
    14. Mai 2014 at 21:29 (7 months ago)

    Wie schade um die Schuhe, ich bin mir sicher sie hatten ein schönes Leben :D ..

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  4. Corinne
    15. Mai 2014 at 14:14 (7 months ago)

    Was für ein herrlicher Post und so wahr! Ich habe Tränen gelacht, kann aber jedes Wort so gut nachempfinden. Sich von Schuhen trennen zu müssen, ist unmenschlich! Und an sich brauchen sie nicht viel Platz, irgendwo lässt sich jedes Paar unterbringen, auch wenn zwei- oder dreifach gestapelt werden muss. ;-)

    Alles Liebe,
    Corinne

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  5. Irene
    16. Mai 2014 at 21:51 (7 months ago)

    Oh die könnte ich nach der Geschichte auch nicht wegwerfen. Ich selber habe ja nicht sehr viele Schuhe aber das daran das mir immer alle schmerzen verursachen und deshalb sehr bald entsorgt werden.
    Sehr schön geschrieben.
    Irene
    moliba.blogspot.com

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  6. Kato
    8. Juni 2014 at 21:50 (6 months ago)

    Das war jetzt irgendwie so… romantisch :D

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