Weil ich will, dass es weitergeht

Julia Basagic | Foto: Tony Gigov

Ich habe lange und oft überlegt, was mein nächster Beitrag sein würde. Einige Wochen war es ruhig hier und das lag nicht daran, dass ich keine Lust hatte oder keine Zeit, sondern dass mir kein Thema würdig genug war, meinem letzten Beitrag zu folgen. Es fühlt sich falsch an, ein neues Rezept auszuprobieren, den 893. Shoppingtipp abzugeben oder witzige Text über die Hochzeit zu schreiben. Selbst Fotos von der Hochzeit habe ich als nicht würdig genug empfunden, denn das empfundene Glück an diesem Tag, stand für mich in einem zu krassen Unterschied, zu der Traurigkeit die ich während des Verfassens des Abschiedstextes von Fanfarella empfunden hatte. Und das, obwohl ich mittlerweile wieder viel lache, die Hochzeit dank so vieler toller Freunde und unseren Familien genießen konnte und den Neustart mit der neuen Wohnung als positiv aufregend erlebe. Es gibt zwar täglich Momente in denen ich nachdenklich werde und Fanfarella schrecklich vermisse, die schlimmen Bilder wieder im Kopf habe, aber ich will sie so nicht in Erinnerung haben, deshalb schüttle ich sie weg und zwinge mich, nur an die vielen schönen Momente zu denken. Stelle mir vor, sie wäre noch hier, leise über den Parkett trippelnd oder laut bellend, wenn es an der Tür klingelt…

Aber einen neuen Beitrag schreiben, folgend auf diesen letzten, der soviel Herzblut und Tränen gekostet hat, der wahrscheinlich der emotionalste und persönlichste Beitrag ist auf diesem Blog, so weit war ich noch nicht. Es ist einfach allzu visuell, dass das Leben weitergeht, wenn hier ein neuer Beitrag steht. So als wäre nichts passiert, ploppt ein neuer Beitrag in eurem Feed auf und der alte rutscht runter und danach noch weiter runter, bis er auf der 2. Seite ist, im Archiv verschwindet. Ich wollte das nicht und eigentlich will ich es immer noch nicht. Ich will weitermachen und an Fanfarella mit einem Lächeln denken, aber sie soll nicht verdrängt werden.

Und dann ist da noch dieses Gefühl, dass Trauer ab einem gewissen Punkt nichts mehr in der Öffentlichkeit verloren hat. Sie wird immer persönlicher denke ich, denn für die anderen hat sich nichts im Leben verändert, aber mir so viel und während die anderen nicht mehr oder nur noch selten an sie denken, ist sie bei mir immer noch jeden Tag präsent. Ich will mit meiner Sehnsucht und Trauer nach ihr, auch niemanden mehr belästigen oder gar ebenfalls wieder traurig machen und eigentlich macht es einem schwach, denn Trauer zehrt an den Kräften. Man wird dadurch nicht nur schwach, sondern man wirkt schwach den anderen gegenüber.
Und wer will heutzutage noch öffentlich schwach sein? Und das soll jetzt kein Plädoyer für die achso leistungsorientierte Gesellschaft sein, in der man einfach funktionieren muss, sondern eigentlich mehr für eine selbstbewusste und positive Lebensweise. Im geschützten Kreis der Familie und der engsten Freunde bin ich gerne auch mal schwach, aber selbst da will ich jetzt nicht mehr mitleidig angesehen werden. Die Anteilnahme von allen, war unglaublich hilfreich für mich, ihr habt alle so unglaublich herzzerreißende Kommentare geschrieben, die aufbauend, mitfühlend und aufklärend waren und mir teilweise einen anderen Blickwinkel des Vorfalls aufgezeigt haben. Und ich bin so dankbar dafür, dass Fanfarella von so vielen Menschen geliebt wurde. Doch jetzt ist für Außenstehend das Thema mehr oder weniger quasi abgehakt, man verliert vielleicht noch das ein oder andere Wort, aber eigentlich ist es kein präsentes Thema mehr. Was einerseits gut ist, andererseits so seltsam. Meine Trauer ist sehr intim und still geworden und die geht immer weniger andere Leute etwas an. Eigentlich will ich selbst wieder funktionieren und nach vorne sehen. Ich will nicht mehr traurig sein, ich will nicht mehr an die schlimmen Bilder denken, ich will wieder ruhige Stunden zu Hause genießen und dann nicht nachdenklich werden, Sehnsüchte aufkommen lassen. Und deshalb geht es jetzt wieder weiter. Weil ich weitermachen will und und nicht, weil ich weitermachen muss.