Ausverkauf. Das heißt Krieg. Strategischer Krieg. Kein Blitzkrieg. Jahrelange Erfahrung ist gefragt, wenn es um die Auswahl des passenden Kampfanzuges geht, ein geschultes Auge zum freien Erkennen der Schuhgrößen überlebenswichtig und Insiderinformation wann es die nächsten Reduktionen gibt unverzichtbar.
Wenn sich Horden von hysterischen Frauen um ein Paar Jimmy Choo beim H&M prügeln, dann belächle ich das. Geht es um den Start des Ausverkaufs bei Zara, stürze ich mich mitten rein ins Getümmel, beobachte argwöhnische meine Shopping-Konkurrentinnen, auf welche Teile sie denn ihr Auge geworfen haben und schieße vor ihnen zum Objekt der Begierde. Penisneid war gestern, Schnäppchenneid ist heute. Ein Feldzug muss geplant werden…
Nicht Geld ist Macht, sondern Information! Soll heißen, wer weiß, wann der Ausverkauf startet und wann die neuen Reduktionen kommen, steht ganz vorne an der Front. Über Facebook und Twitter bekommt man zwar den Start des Sales in der Regel mit, aber wann von 20 Prozent weniger, auf 50 Prozent weniger reduziert wird, das passiert fließend. Scheinbar! Was tun? Na an die Quelle gehen, man frage eine Verkäuferin. Gewissenhafte Verkäuferinnen werden mit der Information nicht so schnell rausrücken, daher ist psychologische Kriegsführung gefragt. Ihr ganz beiläufig ein bisschen zur Hand gehen, über die achtlosen Kunden herziehen, ihr tolles Make-up loben und wie arm sie sei im Ausverkauf arbeiten zu müssen. Verständnis zeigen. Und dann: “Ach, und dann kommen ja noch weitere Reduktionen, oder? Dann wird es noch viel schlimmer für dich. Weißt du vielleicht wann das sein wird?” Bingo!
Als semiprofessionelle Schnäppchenjägerin habe ich natürlich auch schon den perfekten Kampfanzug : Leggings, ein Oversizeshirt mit einem eng anliegenden Shirt darunter, ein Taillengürtel, an dem man die Kleiderbügel mit der Beute hängen kann und natürlich flache Schuhe. Röcke und Hosen können schnell über die Leggins auch außerhalb einer Kabine probiert werden. Falls man sich doch bei der Kabine eine Stunde anstellen möchte, um dann in der nach Käsefüßen duftenden, Cellulitefreundlich beleuchteten Kabine einen Probiermarathon zu starten, ist das Oversize-Shirt schnell ausgezogen. Das eng anliegende Top ist dafür da, dass man auch mal außerhalb der Kabine mit einer potentiellen neuen Hose auf und ab stolzieren kann, ohne seinen transparenten BH präsentieren zu müssen (uuuuuhhh, ja ich trage transparente BHs). Meist helfen die beobachtenden Blicke der anderen Schnäppchenjägerinnen, ob die Hose gut ist, oder man schnell wieder dorthin sollte, wo die Hose hingehört, in die Käsefußkabine.
Kommen wir nun zum Nahkampf, dem Duell Frau gegen Frau. Täuschen, Tarnen und Ablenken heißt es da. Hat der Feind ein Teil in Geiselhaft genommen, das sich in seinen einen Reihen viel besser machen würde, dann gehe man wie folgt vor:
- Täuschen: Man greift sich ein ähnliches Teil, inspiziert es eingehend, freut sich darüber, legt es an, legt es es wieder weg. Nimmt es wieder, seufzt, schaut auf den Preis, freut sich, sieht sich nach der Freundin um, präsentiert es stolz, lächelt dabei den Feind an. Der Feind ist verunsichert und will nun doch DIESES Teile haben. Der Schnäppchenneid wurde geweckt.
- Tarnen: Jetzt schnell sein! Untertauchen, den Feind sich mit dem anderen Teil beschäftigen lassen, er soll sich in Sicherheit wähnen.
- Ablenken: Und nun blitzschnell wieder auftauchen, den Feind ansprechen, wie toll das neu gewählte Teil sei und dabei heimlich das eigentliche viiiiel tollere Teil kidnappen.
Hat Frau nun all ihre Kriegsbeute beisammen, heißt es nun die heiße Ware am Freund vorbeizuschleusen. Wer den nicht hat, wie meinereins, ruft im heimischen Kleiderschrank die Monarchie aus und krönt sich zur einzig wahren Königin des Ausverkaufs.