Ich heiße Julia und ich bin ein Reiseplanungsfreak

Reiseplanung / www.fanfarella.at

Wenn einer eine Reise macht, dann packt er seinen Koffer und haut ab. Bei mir läuft das etwas anders. Fürs Abhauen brauche ich schon etwas Vorbereitungszeit, immerhin muss ich schon genau wissen, wann ich denn von Zuhause losfahren muss, um mit meinem exakt abgewogenen Gepäck gleich zum richtigen Gate zu kommen. Am Urlaubsort angekommen, habe ich bereits einen Schlachtplan, wie ich am schnellsten und günstigsten zum Hotel komme und wo die geheimen Taxis stehen, die einem um die Hälfte billiger ins Zentrum bringen. Die Auswahl des Hotel unterliegt ganz besonderer Kriterien und basiert auf wochenlanger Online-Recherche, wobei Wlan nur eines der wichtigsten Kriterien ist. Aber wie viele Zimmer hat das Hotel genau, wie lange braucht man laut Google Maps zum Strand/Zentrum/Shopping Paradies und ist das Hotel eh auf der Westseite gelegen, damit das geplante Sundowner Dinner tatsächlich mit einem Sonnenuntergang gekrönt wird?

Am Strand angekommen überkommt mich ein ganz besonderes Aha-Erlebnis. Nicht, weil mich die überraschende Schönheit der paradiesischen Idylle umhaut, sondern weil ich mir insgeheim auf die Schulter klopfe, genau den richtigen Strand ausgewählt zu haben dank der 360 Grad Videoaufnahmen von jedem einzelnen Strand der Insel, die ich von der heimischen Couch akribisch miteinander verglichen habe. Wo hängen die Palmen am tiefsten, wo gibts einen freien Blick aufs Meer, wo ist der Strand breiter und das Wasser weniger flach abfallend?

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Das Hotel entspricht ebenfalls den zahlreich durchforsteten Bewertungen auf Tripadvisor, Booking, Hotels und Foursquare, die Kloschüssel im Superior Zimmer hängt bei uns ebenfalls etwas zu niedrig und die Reichweite des Wlans ist im 4. Stock wirklich schwach, aber dafür im 3. umso besser. Vorbereitung ist natürlich alles, bitte ein Zimmer im 3.! Ganz zu schweigen von der Vorbereitung der passenden Garderobe! Welche Tasche mitkommt entscheidet ja immerhin auch ob ich mit iPad, iPhone oder dem good old Papier-Reiseführer von einem vorab ausgewählten Tourispot und Pseudo-Geheimtipp zum nächsten hippen Garagenrestaurant pilgere. Kommt die Spiegelreflex mit, wenn ja, mit welchen Objektiven, oder ist eine Kompakte ausreichend? Wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit und brauche ich einen extra Schutz für die Kamera und falls ja, passt das alles in meine Handtasche, die ich nach einjähriger Suche für den Urlaub gekauft habe und dessen Riemen ich so anpassen habe lassen, dass sie genau die richtige Länge hat, um schnell zu allen Utensilien wie Regenknirps, Kamera, Geld, Wasserflasche, von zu Hause aus gesicherten Groupon-Codes für Restaurants, Touren und Cooking Class zu kommen. Gibt es in der Stadt Wlan-Hotspots und kann ich mir davon eine Karte aufs iPad laden? Habe ich alle bereits online gebuchten Tickets für die Sightseeing Hotspots als Screenshot auf meinem Handy angespeichert und muss ich den sicherheitshalber gebuchten Spa-Termin absagen, nur weil wir das geplante Schlechtwetterprogramm doch nicht durchziehen müssen? Welche Gegenden muss ich gesehen haben und welche Route offenbart mir die Geheimnisse einer Stadt am besten? Nichts wäre schlimmer für mich, als immer parallel zu einer Straße entlang zu gehen, wo es viel schönere Hausfassaden gibt!

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Die einen schütteln nun entsetzt den Kopf, schlagen die Hände zusammen und haben Mitleid mit jenen, die mich auf meinen Reisen begleiten. Und ja, ich sage bewusst begleiten, denn ich liebe es Reisen zu planen so sehr, dass ich mir nur sehr ungern das Zepter aus der Hand reißen lasse. Es sei denn, jemand hat natürlich grenzgeniale Ideen, dann nehme ich diese in MEINEN Plan dankbar auf.

Und dann gibt es jene unter euch, die mich nun wunderbar verstehen können und ganz genau wissen, dass eine Reise zu planen genauso toll sein kann, wie sie dann auch tatsächlich anzutreten und zu beobachten, dass alle Pläne aufgehen und man trotzdem noch genug Spielraum hat spontan zu sein. Also entscheide ich mich nun spontan für Plan A oder Plan B – so spontan meine ich.

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5 Comments on Ich heiße Julia und ich bin ein Reiseplanungsfreak

  1. Raphaela
    3. März 2014 at 13:04 (5 Monate ago)

    Ach du meine Güte, ich hab grad Tränen gelacht beim Lesen und mein Freund (aka mein ReiseBEGLEITER) hat nur verzweifelt den Kopf geschüttelt. Ich glaub du hast hier eine Seelenverwandte gefunden ;)
    Mein Freund und ich hatte nämlich beim letzten Urlaub eine Diskussion wegen meiner ‘fehlenden Spontanität’, und da brauchte ich eben auch das Argument: Ich bin spontan. Ich hab immer auch einen Plan B :D

    Ich wünsch dir einen wunderbaren Urlaub und mögen all deine Pläne aufgehen ;)
    Lg, Raphaela

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  2. Christina
    3. März 2014 at 18:14 (5 Monate ago)

    Ich kann das nur zu gut verstehen! Planung ist für mich alles wenn ich auf Urlaub fahre und vor allem wenn ich ein Land oder eine Stadt erkunden will die ich nicht kenne.

    Es ist für mich dann einfach den Urlaub zu genießen wenn ich mich nicht mit Kleinigkeiten rumschlagen muss die ich im Vorfeld gut recherchieren kann und vorbereiten kann.

    Super Post :)
    glg Christina

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  3. Naelle - Once in Paris
    3. März 2014 at 23:02 (5 Monate ago)

    ich bin GENAUSO!!! aber kontrollieren und planen heisst ja auch VORFREUDE :))))

    Lg aus paris! :)

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  4. Tonja
    5. März 2014 at 10:36 (5 Monate ago)

    Kannst du mir bitte meinen nächsten urlaub planen? :D Ich plane ungefähr nie und bin immer völlig ahnungslos… 4 Wochen Island ohne Wanderkarte, Busticket und genauer Übersicht über Hotspots und Campingplätze…here we go… Zum Glück habe ich immer planungswütige Freunde dabei ;)

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  5. Tami
    5. März 2014 at 20:55 (5 Monate ago)

    Abgesehen vom wieder einmal großartigen Artikel – woher hast du die beiden Chihuahuas in der Tasse? Sind das Salz- und Pfefferstreuer?!? Absolutes Must-Have…

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