Was Frauen schauen – oder auch nicht!

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Ich liebe ja von Klischees triefende Texte und bis zur Unkenntlichkeit mit Ironie versetzte Wortbilder, aber manchmal kommt dann doch zwischen all meinen pinkfarbenen fluffigen Klein-Mädchenfantasien die Oberschullehrerin durch, die sich über so Kleinigkeiten wie rosafarbene Notebooks, Glitzerhandys und DVD-Aufklebern mit der Aufschrift „Was Frauen schauen“ ziemlich auslassen kann.

Letzteres ist mir gestern Abend leicht aufgestoßen. Selbst gepopptes Popcorn, Coke Zero und eine DVD, die von sich behauptet, dass ich die gerne schauen würde. Der Cover ist schon leicht schnulzig: Ethan Hawk als Supersoftie in der Abenddämmerung. So wirklich macht mich das nicht an. Aber der Film findet in Wien statt! Joaaa, das könnt schon besser werden. Das morbide Wien als Schauplatz einer tragischen Liebesgeschichte. Keine Ahnung ob Frauen das gerne sehen, aber für mich würde das schon passen.

Der Film beginnt in einem Zug. Die Österreicher sprechen offenbar alle derbstes Wienerisch laut Hollywood. Ok, gibt’s bisschen etwas zum Schmunzeln. Aber dann kommt ein Trauerspiel an Pseudo-Romantik. 15 Minuten wird im Zugrestaurant gesprochen, über Themen, bei denen man einem Fremden höflichkeitshalber zuhört und währenddessen überlegt, ob man lieber jetzt aufs Klo gehen sollte, oder erst bei der Ankunft. Dann supertiefgründige Gespräche über die ersten sexuellen Gefühle und was man denn so hasst und was einen so glücklich macht und was einem Pippi in die Augen treibt – diesmal in der Straßenbahn. In immer der gleichen Kameraeinstellung. Höhepunkt: Der schüchterne Kuss in einer menschenleeren Gondel des Riesenrads. Deshalb ist der Film also erst ab 6 Jahren freigegeben. Ich frage gelangweilt, ob denn da noch jemand Sex haben wird, oder ob jemand stirbt oder ob vielleicht jemand sein Konto überzieht. Irgendetwas eben, das den Film vom cinematografischen Herzstillstand bewahrt. Nö, is nicht.

Ich halte diese Ödesse nicht mehr aus und betreibe Schadensbegrenzung an meinem Konto von vergeudeten Minuten meines Lebens, indem ich mit dem Film Schluß mache. Ich fasse es nicht. DAS ist es also, das laut irgendwem Frauen gerne schauen. Das kann nur ein Mann entschieden haben, der als Baby von seiner Mami nicht gestillt wurde und einen abgrundtiefen Hass auf Frauen hat.

Zum Glück spielte es an dem Abend noch einen Vampirfilm. Auch mit Ethan Hawk, aber diesmal nicht als Supersoftie. Es gibt Blut, Intrigen, Geheimnisse, glühende Augen und statt mit Zug und Straßenbahn fahren die mit lichtgeschützten Autos, deren geplatze Reifen sich auf Knopfdruck von selbst wieder aufpumpen. DAS wollen Frauen sehen – naja, ich zumindestens.

Diese und mehrere Kolumnen von mir findet ihr unter “Hello Monday” auf Styleranking!

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6 Responses
  • s.
    Mai 7, 2012

    omg… da hat wohl die falsche frau den falschen film erwischt. – ich liebe den film und ich liebe julie delpy und ich liebe alles andere zeugs rundherum auch: zum beispiel den nachfolgefilm, wo sie in paris sind und nur reden, reden, reden.

    es ist eben kein normaler film^^ und wohl geschmackssache. aber mir ist eine wunderschöne frau in hübschen kulissen und texten, die was hergeben 1000x mehr wert als ein spielfilm, der den 0815-handlungsablauf zum hundersten mal durchspielt.

  • Svenja
    Mai 7, 2012

    achja, ich mag deine kolumnen. mir sagt der film zwar so gar nichts, aber ich kann dich total verstehen. wenn irgendwie nichts passiert und währenddessen noch nichtmal tiefgründe gespräche stattfinden, dann hätte ich bestimmt genauso reagiert wie du.
    wieder mal toll geschrieben! :)

    http://irgendwomittendrin.blogspot.de/

  • Clarina
    Mai 9, 2012

    Schau mal, hier hat wer deinen Post geklaut: http://p0ppin-champagne.blogspot.de/2012/05/was-frauen-schauen-oder-eben-nicht.html

    • Fanfarella
      Mai 9, 2012

      Hmmmm… Danke dir vielmals für den Hinweis. Sie hat nämlich nicht nur diesen kopiert sondern zahlreiche!

  • anne
    Mai 9, 2012

    neben julie delpy und ethan hawke haben in „before sunrise“ damals übrigens auch „echte“ österreicherInnen mitgewirkt: hanno pöschl zum beispiel oder der fast schon als wiener durchgehende tex rubinowitz – und nicht zuletzt der ist verdammt super!

    • Fanfarella
      Mai 9, 2012

      ja den streit im zug zwischen dem wiener ehepaar hätte ich eigentlich eh noch am liebsten weiterverfolgt – glaube der wäre recht spannend weitergegangen!

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