Festivalfeeling in der Luxusvariante?

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Es war einmal ich. Am Zeltplatz eines Musikfestivals. Im heißesten August seit Jahren. Und irgendwie, fand ich es damals auch ganz cool. Jedenfalls wollte ich mich cool fühlen, denn immerhin bin ich auf einem Festival. Dort wo mich gefühlte 99 Prozent meines Freundeskreises nur dann suchen, wenn ich verkünden würde auf Abenteuerurlaub zu sein. Aber ich wollt mir selbst etwas beweisen und selbst erleben, von dem die 23 schon angeschimmelten Festivalbänder meines Studienkollegens bezeugen, dass es anscheinende unvergesslich gut ist.

Und jedes Jahr im Frühjahr, wenn die Festivalzeit aufs Neue beginnt und ich die Line-ups nach mir bekannten Bands absuche, sage ich mir, dass es eigentlich gar nicht soooo schlimm war. Dieses eine Mal, im August. Warum also nicht wieder ein modriges Zelt ausleihen, die Campingmatratze nach Löchern absuchen und den Oropax noch eine Chance geben?

Dann dämmert es mir wieder. Der Zeltplatz, eine Aneinanderreihung von windschiefen Zeltgruppierungen, deren Bewohner mehr Zeit im Alkoholdelirium halb aus der Zeltöffnung liegend verbringen, als vor der Bühne. Ich erinnere mich, dass es nicht gezwungenermaßen regnen muss, wenn es auf dein Zeltdacht pritschelt und dass einem das binnen kürzester Zeit gar nicht mal mehr so eklig vorkommt. Es wird mit dem Finger auf einen gezeigt, dass man anstatt in einem Campingstuhl und einem Bier in der Hand einpennt, dann doch lieber auf einer aufblasbaren Matratze mit billigen Oropax und in einem Pyjama Erholung sucht.

Warum ich das weiß? Weil mitten in der Nacht sich eine fremde Person in mein Zelt verirrte und mit dem Finger ungläubig auf mich zeigte. Und ich weiß jetzt, dass mein zuvor tiefgefrorener Lieblingswein noch schlechter schmeckt, als verwässerter und überteuerter Wein vom Gelände und man mit selbstgebrautem, frischen, türkischen Kaffee in der Früh leichter Freunde findet und nie wieder los wird, als des nachts mit einer Dose lauwarmen Bier. Nö das brauche ich doch nicht. So toll sind die Line-ups auch wieder nicht.

Aber warum nicht die Luxusvariante wählen? Im nahe gelegenen Hotel einchecken, statt im aufgeheizten Zelt und via Taxi die Wege überbrücken, anstatt mit FlipFlops im alkoholgetränkten Schlamm stecken bleiben. Weil irgendwie ist das dann doch nicht so richtig Festivalfeeling, oder?

Diese und mehrere Kolumnen von mir findet ihr unter “Hello Monday” auf Styleranking!

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10 Responses
  • Spring
    Juni 4, 2012

    Ich bin selbst Festivalfan, hasse aber das Zelten! Schrecklich!

    Wir werden dieses Jahr aufs Urban Art Forms fahren, das findet in der Nähe von Graz statt. Und werden auf jeden Fall in Graz übernachten, nicht am Festivalgelände..

  • Reny
    Juni 4, 2012

    Danke für diesen tollen Artikel;) mit gehts genauso! Ich habe mich jedes Jahr gedrückt wenn mein
    Freundeskreis auf ein Festival Gefahren ist! Dieses Jahr habe ich nachgegeben! Wir fahren zu Sea of Love!! Und ich muss sagen ich freie
    mich sehr darauf! Ob ich mit Zelten, dixi Klos… Klar komme… Mal sehen!!

  • yellowgirl
    Juni 4, 2012

    Alle zwei-drei Jahre fahre ich aufs Novarock und von mal zu mal finde ich es ekeliger … Zelten werde ich dort sicher nie wieder. Vor zwei Jahren haben wir anstatt dessen in Podersdorf gezeltet. Der Campingplatz war so gut wie leer, wir waren jeden Tag schwimmen und konnten um 50Cent so oft duschen wie wir wollten ohne anstehen zu müssen oder einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt zu sein. Und an satt Dosenfutter oder vollkommen überteuertem FastFood waren wir beim Heurigen.
    Ich mag Festivals, aber irgendwann wird man zu alt für Schlammduschen, BHs verbrennen und Bier als Mahlzeit zu zählen ^^

  • Michi
    Juni 4, 2012

    Haha, super Artikel, geht mir genauso. Vor ein paar Jahren war es mir egal im Schlamm zu stehen oder vier Tage lang nur auf ToiToi zu gehen und nun iiiirks…Deswegen ist dieses Jahr das einzige Festival ein kleines mit richtigen Klos, Dusche und vielen coolen Leuten :)

    lg

  • zitronenminze
    Juni 4, 2012

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Es ist erstaunlich, welches ekelhafte Verhalten manche Mitmenschen an den Tag legen, sobald sie ein Festivalgelände betreten. Manchmal habe ich das Gefühl, es geht denen nur drum, sich noch grausliger als die anderen zu verhalten, um ja voll cool zu sein (ich sag nur: Kotzbecher durch die Luft schmeissen). Sehr, sehr schade, weil ich den Grundgedanken, viele verschiedene Bands in gemütlicher Atmosphäre an einem Wo.ende geniessen zu können, richtig toll finde.

  • Maxie
    Juni 4, 2012

    Also für mich gehört zum Festival das Campen einfach dazu und ich denke, dass es nicht ausschließlich Leute gibt, die ein Festival dazu verwenden so eklig wie möglich zu sein. Duschen gehen ist am Gelände leider zu eklig für meinen Geschmack, aber dafür gehts dann am Nova Rock jeden Tag zum Neusiedlersee und am Frequency lebt man sowieso an der Traisen.
    Vielleicht liegt meine Einstellung dazu an meinem jungen Alter und in ein paar JAhren werde ich mich selbst nichtmehr verstehen. Aber jetzt kann ich sagen, dass es auch Leute gibt die kein Problem mit wenig Schlaf, Zelt und einem gewissen Grad an Dreck haben. Man muss es ja nicht übertreiben ;)

    Falls es dich interessiert: Passend zur Festivalsasion und zum ersten anstehenden Festival hab ich Samstag den einen Teil meiner Posts zum Thema Festivaloutfit geschrieben und Mittwoch folgt dann einer mit Überlebenstipps. Falls ich dein Interesse geweckt haben sollte, dann kannst du ja mal vorbeischauen. Würde mich freuen :)

    Liebe Grüße!

  • Miss S
    Juni 5, 2012

    Hach, ich mag wie du schreibst. Schöner Stil!!!

  • Patrizia
    Juni 6, 2012

    Das erste Mal war ich vor sieben Jahren auf einem Festival und ich muss sagen, dass mir der „Zustand“ dort früher definitiv weniger ausgemacht hat als heute. Anfangs mussten wir sogar immer mit Sack und Pack mit dem Zug anreisen weil noch keiner von uns einen Führerschein hatte. Die Blessuren der gefühlten 200 Kilo am Rücken wurden mit Alkohol betäubt und der Regen gesellte sich auch verlässlich jedes Jahr zu uns. Als ich dann letztes Jahr beim Frauenfeld Open Air war war mir das irgendwie alles ein wenig zu viel…deswegen finde ich die Idee mit der „Luxusvariante“ gar nicht so schlecht, wenn mir das Line Up richtig gut gefällt, würde ich mir das überlegen :)

  • Isabel
    Juni 11, 2012

    Schon mal Glamping ausprobiert?

  • sue
    Juni 19, 2012

    ich war früher oft auf festivals. mittlerweile kann ich dem ganzen gar nichts mehr abgewinnen – genau aus den oben von dir beschriebenen gründen. nicht mal die luxusvariante finde ich da so spannend, weil man trotzdem den sturzbetrunkenen dreckspatzen, die einen dann auch noch anbaggern wollen, einem aber eventuell stattdessen sogar noch vor die füße kotzen, begegnet. wenn dann müsste ich mich auch so stark betrinken, dass der wurschtigkeitsgrad gegen null sinkt, aber dann bekomme ich wieder nichts von den bands mit und gut vertragen tu ich das sowieso nicht mehr. zahlt sich also nicht so richtig aus.

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