Über sinn- und hirnbefreites Online-Windowshopping

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Ich bin mir noch nicht sicher ob man es unter Masochismus einordnet, Tatsachenvertuschung oder schlicht und einfach Tagträumerei. Aber Online-Windowshopping über STUNDEN ist eine meiner sinnbefreitesten Lieblingsbeschäftigungen. Insbesonderer wenn es gerade nicht die Katzenberger, How I met your mother oder Germany’s Topmodel spielt. Da sitze ich mit meinem Laptop am Schoß vor der eingeschaltenen Glotze, links von mir liegt gelangweilt der Hund, rechts griffbereit eine Packung Toffifee und fülle meine Warenkörbe bei Topshop, Asos, H&M und manchmal – wenn ich fern jeder Realität bin – auch bei My Theresa und Net a Porter. Ich habe sogar schon ein richtiges Konzept, wie ich koordiniert in verschiedenen Shops unterwegs bin. Für jeden Shop habe ich ein eigenes Fenster offen, für jedes interessante Teil wird ein Tab geöffnet und dann wird wie wild in meinen Warenkorb hinzugefügt.

Und dieses Hinzufügen mache ich ja nicht vollkommen hirnbefreit. Nein. Ich denke mir sehr wohl dabei, ob ich dieses Teil denn jetzt tatsächlich brauche. Natürlich brauche ich es nicht. Denn in dieser Farbe, in dieser Form, mit diesem Muster und in dieser Länge… nein, das besitze ich noch nicht. Klick. Schwupps. Erfolgreich zu Ihrem Warenkorb hinzugefügt.

Und dann gibt es ja so einen Moment in einer Beziehung, in dem man merkt – ok, jetzt kann ich wirklich so sein, wie ich wirklich bin. Bei mir war es jener, als ich mitten im Online-Windowshopping war und ganz dringend das stille Örtchen aufsuchen musste. Dabei hatte ich doch gerade eine Seite mit den zauberhaftesten Kleidern ever geöffnet, die einfach keinen Ansichtsaufschub erlaubten. Ich bin also hin und her gerissen, zwischen einem natürlichen Bedürfnis – also Kleider ansehen – und dem anderen Dings. Mein Freund sah mich etwas verduzt an, als ich das Ladekabel aus dem Laptop zog und still und heimlich aufs Klo verschwand, wo sich mindestens drei weitere Kleider für den Warenkorb qualifizierten. Aber hey, wofür hab ich denn auch am Klo wlan?

Aber dann hat man seine Warenkörbe in gefühlten 89 Shops randvoll gefüllt und bemerkt – natürlich aus vollkommen heiteren Himmel – die exorbidante Gesamtsumme der Ohne-diesen-Teilen-würde-ich-nackt-herumlaufen. Und dann beginnt das Aussortieren. Wie oft würde ich den gelben Tüllrock tragen? Ob sich die Plisseefalten des Kleides flachdrücken? Ist der Ausschnitt des Tops zu tief? Naja, die Rüschen sind eigentlich too much. Und eigentlich ist dieses Kleid viel zu eng für mich, die Schuhe zu hoch, die Tasche in einer Unfarbe passt zu keinen Schuhen von mir und für einen Schal 55 Euro auszugeben – naja, alles nicht soooo notwendig.

Was bleibt dann noch über? Eine Handvoll Teile, die in Summe immer noch mehr ausmachen, als der Überziehungsrahmen meines Kontos hergibt. Also werden frustriert alle Browserfenster geschlossen, die Cookies und den Chache gelöscht, damit ja nichts in den Warenkörben überbleibt, die letzten Toffifee eingeworfen und die Mitternachts-Nachrichten geschaut. Mal wieder STUNDEN mit Online-Windowshopping verbracht, bei dem am Ende nichts dabei rausschaut. Super. Aber seltsamerweise fühle ich mich danach so, als hätte ich trotzdem etwas gekauft und bin angenehm befriedigt. Hach in meiner Welt zu leben, macht manchmal schon viel Spaß…

Am nächsten Tag in der Früh, beklage ich mich wortstark bei meinem Freund, dass ich ja überhaupt keine Kohle habe und ich keine Ahnung habe, wo die hinfließt.Daraufhin meint er:
„Was willst du denn? Hast doch gestern eh Stunden damit verbraucht online zu shoppen. Dürftest also doch Geld haben.“
„Nö, habe dann nichts gekauft…“
„Also weißt du, ich versteh nicht ganz…. ach,… egal…“

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16 Responses
  • Katharina
    März 30, 2012

    haha, selten einen post gelesen, der so sehr der wahrheit entspricht wie dieser.
    ich glaube, ich kann mich so zu ziemlich 100 % identifizieren 🙂

    xoxo

    ketchembunnies.blogspot.com

  • the cuteberry
    März 30, 2012

    Hahahaha. Das ist aber ganz lustig. I feel you. Ich mach das auch immer. Schau mir studenlang Sachen an, bin dann so genervt dass sie so teuer sind dass ich das Fenster schliesse. Aber wenn du dann wieder auf die Seite kommst, da kommt die Erinnerung „you still have 5 items in your shopping cart“.
    Lots of love,
    The Cuteberry

  • Chantilly Vanilly
    März 30, 2012

    Du sprichst mir aus dem Herzen…ich mache dies teilweise auch für Stunden…bleibt aber unser Geheimnis 😉

  • Modemädchen
    März 30, 2012

    einfach wunderbarer Text 😀 ich glaube wir wissen so ziemlich alle was gemeint ist!!! Nut mein Manko ist, dass ich mindestens ein Teil kaufen muss um das Zeitdefizit irgendwie rechtfertigen zu können^^

  • Bambuella
    März 30, 2012

    Oh mein Gott, ich dachte immer, ich bin doof 😀
    Aber mir geht es oft genauso. Ich fühle überall die Warenkörbe, komme auf Hunderte von Euros und dann sortiere ich aus. Oft genug lasse ich es dann ganz sein. Muss man nicht verstehen ^^

  • Cam
    März 30, 2012

    Das kommt mir verdammt bekannt vor *hahaha* aber alles kommt mir sowas von bekannt vor haha

  • Sophie
    März 31, 2012

    Tja so sind wir halt! 🙂 übrigens, http://www.victoriassecret.com ist auch so ein wunderbarer Zeitvertrieb…

  • Mimsbims
    März 31, 2012

    Oh ja, ich bin ganz genauso allerliebste Freizeitbeschäftigung 🙂

  • Monokel
    März 31, 2012

    Hihi, musste auch grad schmunzeln, weil ich das nur zu gut kenne! 🙂 Ist bei mir vor allem irgendwie bei Net a porter, Luisaviaroma und my Theresa so 😀

  • Marina
    März 31, 2012

    Du sprichst mir aus der Seele! Habe ungefähr genau die gleiche, sehr denkwürdige Taktik…
    Das nennt man Therapie für Frauen, die gar nichts kostet. 😉

    Liebe Grüße
    Marina

  • christin
    April 1, 2012

    Ich sehe deine Einträge garnicht mehr bei blogger, dachte schon du bloggst nicht mehr, puhhh 😉

  • s.
    April 2, 2012

    …und mein Montagmorgen beginnt immer damit sich dann zu überlegen wieso so viele Besucher Produkte in den Warenkorb legten, aber dann doch nicht kauften…

    Mal ehrlich, die Damen, wie können wir onlineshop-verantwortlichen Euch das schöner machen? Ich beobachte dieses Verhalten so oft und würde auch gern Zeit investieren euch das angenehmer zu gestalten, vor allem weils ja gut tut 🙂

  • Alice
    April 2, 2012

    Köstlich!

  • Ulli
    August 23, 2012

    Hihi, super. Jaaaa wie wahr, sehr beruhigend zu lesen, dass man nicht die einzige ist 🙂

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