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Mein Leiden unter digitaler Kastration im Ausland

Urlaubszeit ist für mich Wlan-in-der-ganzen-Stadt-suchen-Zeit. Denn so sehr ich dem Internet auch verfallen bin, meinem Bankkonto fühle ich mich eher verpflichtet und nutze im Ausland lieber kostenloses Wlan als teure Roaming-Datenpakete. So geschehen das letzte mal in Zürich bei Mirjam

Ein Protokoll des Leidens:

Der Flieger landet in Zürich, ich schalte mein Handy ein und suche das Wlan des Flughafens. Kostenpflichtig? In Wien ist das gratis! Ich MUSS aber jetzt ein Ankunftsfoto twittern!!! Die Sucht gewinnt, Bankkonto verliert. Da erblicke ich auch schon Mirjam, mit einem Herzluftballon in der Hand auf mich wartend. “Hi! Verdammt, das Wlan ist hier nicht kostenlos! So eine Frechheit! Hab jetzt teuer twittern MÜSSEN!” “Äh, ja, also willkommen,… hier, hab einen Ballon für dich… aber bei mir zu Hause haben wir Wlan, das kannst du nutzen.” Stimmung hebt sich auf Ballonhöhe.
Probiere bereits im Stiegenhaus ins Wlan einzusteigen, teste ab wo ich Empfang habe. Mirjam wohnt im 3. Stock, ab dem 2. funktionierts. Nur so zur Information an alle.
Erste Station ist die Bahnhofstraße. Der Zug dorthin hat übrigens Wlan, muss man aber auch bezahlen. Langsam wird mir klar, warum die Schweiz so reich ist. Auf der Bahnhofstraße gibt es auch Wlan, sogar offenes! Ich werde immer langsamer, sobald ich eines gefunden habe. Irgendwann bleibe ich stehen. Verbindung wird hergestellt. “Juuuliaaaaa?” Mirjam will mit mir Cervalat essen. Am See. Da gibts sicherlich kein Wlan. “Ich kommeeee!” Verbindung konnte nicht hergestellt werden. In meinem inneren Auge schwebt mir bereits ein ganz bestimmtest Motiv vor, das ich twittern wollen würde. Neidisch schaue ich auf Mirjams Blackberry. Sie kann twittern, sie kann sogar von unterwegs bloggen. Sie bemerkt meinen Blick. “Du, weißt du was, ich richte deinen Blog auf meinem Blackberry ein, und dann kannst von meinem Handy aus auch von unterwegs bloggen.” Jaja, jetzt fühlt sie sich total toll. Will meine digitale Kastration nicht eingestehen: “Nicht notwendig, ich warte auf daheim… Ist das da vorne ein Starbucks????? Wollen wir einen Cafe trinken gehen???” Mirjam sieht leicht irritiert aus: “Aber du hasst Starbucks!” “Ähm ja, aber du musst eh auf die Toilette, ich warte so lange draußen.” Verbindung hergestellt. Yeah, ich bin wieder da Welt!
Weiter geht es durch die Altstadt. Ein Labyrinth an kleinen Gassen, wie gerne würde ich das jetzt mit dem Rest der Welt teilen. Dieser Rest macht sich bestimmt schon Sorgen, wo ich denn bleibe. Seit Stunden habe ich nichts mehr zu meinem digitalen Fingerabdruck beigesteuert. Laufe mit dem in den Himmel gehaltenen Handy durch Touristengruppen, stolpere über kleine Hunde, streife Straßenlaternen und spiele das Spiel “Gibt es 1 m über meinem Kopf besseren Empfang?”. Mission impossible. Alle Netze gesichert, gesperrt und unüberbrückbar. Typisch Schweiz.
Bootsfahren am See. Wenn etwas, dann muss das getwittert werden! Jeder logisch funktionierender Menschenverstand sagt einem aber, dass es am See wohl kein Wlan gibt. Ich habs ausprobiert – gibt es wirklich nicht. Aber manche besondere Momente sind es einfach wert, ein paar Cent Datenvolumen auszugeben.
Am letzten Tag habe ich mich damit abgefunden, dass die Schweiz keine kostenlose Wlan-Spots hat. Futtere beim Brunchen mit Pancakes meinen Frust hinunter, ein bisschen Ahornsirup drüber, dann flutscht er besser. Der Kellner ist Österreicher, fühle mich bereits wieder ein bisschen wie daheim, wo es kostenloses Wlan gibt und schaue ihm sehnsüchtig nach, nachdem ich gezahlt hatte. Mein Blick bleibt an der Menü-Tafel hängen “Wir haben kostenloses Wlan für Sie!”
“Mirjam, willst du nicht noch einen Cafe trinken?”

Und wie Mirjam mein Leiden aus ihrer Sicht erlebte, lest ihr auf ihrem Blog. Also KLICK. KLICK hab ich gesagt!

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10 Responses to “Mein Leiden unter digitaler Kastration im Ausland”

  1. Daniela sagt:

    Ich fühle mit dir! :)
    2 Wochen kein Internet.

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  2. Maren sagt:

    Total dämlich und übertrieben. Ich hätte dich stehen gelassen und wäre alleine weiter gegangen, weil du mir zu nervig gewesen wärst.

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  3. Boumi sagt:

    manchmal zerstört man die besonderen momente, wenn man gleich alles vertwittert. aber ich kann nachfühlen, habe diesen “drang” auch. die ständige suche nach w-lans würde ich mir an deiner stelle allerdings definitiv abgewöhnen ;-) dann halt lieber weniger publizieren.

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  4. mia sagt:

    War gestern 12 Stunden ohne Netz, in der Nacht wurde die T-Mobile Hotline noch gequält. War dem Zusammenbruch nahe. Ich glaube ich bin ready for rehab.

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  5. NICHTsüchtige sagt:

    Traurig, dass man heutzutage nicht mehr ohne Wlan oder technische Zeug leben kann. Zum Glück habe ich so ne lächerliche Problem nicht.

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  6. Clemens sagt:

    man kann Texte natürlich auch zu ernst nehmen ;-)

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  7. Humorlos sagt:

    Traurig, dass man heutzutage nicht mehr ohne Sinn für Humor oder so was leben kann. Zum Glück habe ich so ein lächerliches Problem nicht.

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  8. Addie sagt:

    Haha zu lustig. Ich liebe deine Texte.
    Und Mädels, kriegt euch mal wieder ein und lacht mit uns :-D

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  9. Sonja sagt:

    *lautlachenmuss*

    “Der Zug dorthin hat übrigens Wlan, muss man aber auch bezahlen. Langsam wird mir klar, warum die Schweiz so reich ist.”

    …wahnsinns Texte…und immer wieder muss ich schmunzeln! Also von wegen traurig!!!Na wenigstens hab ich Humor (in jeder Lebenslage..passend zu jedem Outfit! Egal ob schwarz, weiß oder bunt).

    Also, ….WEITER SO, falls es das Netz zulässt ;) !

    http://fashiontweed.blogspot.com

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  10. Sandra sagt:

    Also wenn dieser Post wirlich ernst gemeint ist, dann kann man dich nur bemitleiden…

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