Die Wiener Wiesn ist anders

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Wenn etwas gut ist und funktioniert, dann wird es gerne kopiert. Manchmal ziemlich dreist, andere wiederum nennen es Inspiration. Die Wiesn in München ist so erfolgreich, dass es mittlerweile zahlreiche Kopien davon gibt und auch wir Wiener haben seit 2011 eine Wiesn. Im ersten Jahr habe ich mir ein Bild davon gemacht und war doch etwas enttäuscht von den etwas lieblos dekorierten Zelten und der nicht so wirklich vorhandenen zünftigen Stimmung. Aber vielleicht lag es ja auch nur daran, dass ich nüchtern war, wer weiß das schon. Dieses Jahr wurde ich von der Wiener Wiesn auf einen Besuch eingeladen und gab ihr somit noch eine Chance und kann nun klar sagen: Eine Kopie vom Oktoberfest in München ist es immer noch nicht und das ist gut so!

Als ich 2011 auf der Wiesn in München war, zog es mich schon damals nicht in die großen, überdimensionierten Zelte mit über 6.000 Personen Fassungsvermögen, sondern eher in die kleinen. Zwei Tage verbrachte ich im süßen Schichtl-Zelt und habs geliebt! Die Wiener Wiesn ist glücklicherweise nicht so auf Masse gestaltet, da sie wie ein kleines Dorf aufgebaut ist, nur dass da eben auch noch drei große Festzelte stehen. Typisch Wien eben, Gemütlichkeit steht bei uns ja doch sehr weit oben. Ich hoffe nur, dass es so bleibt und kein Größenwahn ausbricht.
Man kann also eigentlich jeden Tag hingehen und einfach nur durch dieses kleine Dörfchen spazieren, in die Hütten und Almen einkehren (Eintritt frei!) und zum Ausklingen noch mit dem Riesenrad im Prater fahren. Im Kärntner Almwirt haben wir übrigens neben vielen warmen Gerichten, eine wunderbare kalte Platte, darunter auch „Wörthersee-Sushi“ mit Fisch vom Wörthersee, gegessen!

Wiener Wiesn 2015 // www.fanfarella.at

Wiener Wiesn 2015 // www.fanfarella.atSandra und Marjorie waren auch mit von der Partie 🙂

Wiener Wiesn 2015 // www.fanfarella.at

Ein Hoch übrigens an die Band des Abends „Die Fegerländer“! Abgesehen von der nicht geglückten Conchita Wurst Parodie, haben sie die Stimmung unglaublich schnell nach oben geschossen und die Mischung Schlager und Big Band fand ich sehr gelungen. Binnen kürzester Zeit stand das ganze Zelt auf den Bänken und hat gefeiert. An einem Dienstag. Um 20:30 Uhr. Einen Zeitpunkt wo ich mich gerade kuschelig auf der Couch einrolle, oder so wie jetzt, einen Blogpost tippe. Nun gut, sagen wir, dass da höchstwahrscheinlich schon auch ein bisschen Alkohol im Spiel ist. Apropos Alkohol, eine Maß Bier von Gösser kostet €9,10 und ist somit günstiger als das Bier auf der Münchner Wiesn 😉
Schade nur, dass die wenigsten in Tracht waren. Nicht mal die verhasste Landhausmode wurde aus der Mottenkiste geholt und so kam’s, dass der Großteil in Jeans und allerhöchsten kariertem Hemd schunkelte. Aber wahrscheinlich eh besser so.

Wiener Wiesn 2015 // www.fanfarella.at

Kommen wir noch zu einem weiteren Unterschied zwischen Münchner und Wiener Wiesn: In München kannst du in nahezu jedes Zelt rein, egal ob Tischreservierung oder nicht, Hauptsache es ist noch Platz im Zelt. Jedenfalls war das meine Beobachtung. In Wien kann man nur Montag und Dienstag gratis in die drei großen Zelte, sowie mittags und nachmittags. Will man am Abend an einem Mittwoch-Sonntag in einem der drei großen Zelte feiern, so muss man sich ein Ticket besorgen, das mit einem Sitzplatz verbunden ist. Ohne Ticket kommt man nicht rein. Also Stehplätze gibts keine. Und diese Tickets kosten so viel, wie ungefähr ein Konzertticket auch kostet, ab 44,60€ pro Person. Je näher an der Bühne umso teurer und wer eine Loge haben will, der muss auch noch was drauflegen.

Wiener Wiesn 2015 // www.fanfarella.at

Unter uns gesagt, ich bin ja nicht so der Fan von Massenaufläufen von 1.000+ Personen in geschlossenen Räumen (auch nicht in freien Arenen), verbunden mit Schlagermusik und kollektiven Gegröhle zu abgedroschen Saufsprüchen a la „Zur Mitte, zur Tit…“ (na ihr wisst ja wie’s weitergeht). Ich würde mich wohl mittlerweile wenn, nur mit mindestens 1 Promille dazu hinreißen auf eine Bank zu springen, um dort meine höchstpersönlichen Versionen von Helene Fischer, Andreas Gabalier, DJ Ötzi und wie sie alle so heißen, zum Besten zu geben. Und eigentlich geh ich hauptsächlich deshalb auf die Wiesn – egal ob in München oder Wien – um mein Dirndl auszuführen. Oder um ein neues kaufen zu können. Aber könnte ja auch schlimmere Gründe geben, oder? Und kommt jetzt ein ABER? Ja, es kommt eins. ABER ich glaube es gibt wohl kaum einen besseren Ort mal unter Gleichgesinnten auch mal unter der Woche zu feiern und das mit Stimmungsgarantie. Ärgerlich nur, dass ich kein Bier trinke und Wein nicht vertrage. Die Mädels mit den Schnaps-Bauchläden würden wahrscheinlich ein gute Geschäft bei mir machen. Also, wo war noch schnell dieses Mädel mit den Schnäpsen? Wegen der 1 Promille warats gwesen.

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