Jeden Tag in der Früh das gleiche Theater. Was ziehe ich an? Ich stehe vor dem Kleiderschrank und denke mir jedes Mal aufs Neue, dass ich gar nichts zum Anziehen habe. Wo sind denn all die Teile hin, die ich ständig kaufe, einmal anziehe und dann sind sie weg? Ich meine, bei jedem Großeinkauf denke ich mir dann „Ok Julia, jetzt brauchst du wirklich eine zeitlang nichts Neues mehr zu kaufen, jetzt hast du wirklich genug und alles was du mehr oder weniger brauchst“, und dann steh ich wieder einmal mit Fragezeichen in den Augen vor einem Schrank, der sich scheinbar kaum verändert hat.
Die Wahrheit ist, dass ich eigentlich deutlich mehr Kleidung besitze, als in meinem Kleiderschrank hängt oder liegt. Es ist in der Regel der etwas hübschere Teil meiner Gaderobe, der mit Abwesenheit glänzt. Der Grund: Er liegt zusammengeknüllt in vier (!) großen Schubladen, hineingestopft bis zum Bersten. Darunter Blusen, Kleider, Röcke, Stoffhosen, Tuniken zusammen mit allem anderen, das gebügelt gehört. Ihr wisst schon, dieses heiße Eisen, wovon man besser die Finger lässt und daran halte ich mich auch sehr strikt.
Und auch wenn es jetzt etwas dekadent klingt, ist mir letztens etwas passiert, auf das ich nicht stolz bin. Anstelle das Bügeleisen zu schwingen und meine Hausfrauqualitäten durch ein faltenfreies Kleid zu beweisen, habe ich mir auf dem Weg nach Hause lieber ein neues Kleid gekauft. Aus Zeitknappheit natürlich – das wäre zeitlich sowas von knapp geworden, wenn ich es gebügelt hätte. Ehrlich!
Die Lösung wäre eigentlich, dass ich mich entweder endlich für einen ganzen Nachmittag hinstelle und meine Aversion gegen das Bügeleisen mittels einer Schocktherapie behebe und alles bügel, oder ich übergebe diese Tätigkeit an jemanden, der das besser und schneller kann als ich – und ich spreche nicht von meinem Freund. Doch dann wäre immer noch das räumliche Problem. Denn wenn ich plötzlich vier Schubladen gebügelte Wäsche aufhängen müsste, dann würde sich das wohl nicht ausgehen im Kleiderschrank. Das hatte ich bei meinem letzten Umzug und der Planung des Kleiderschranks natürlich nicht eingeplant. Denn ich bin bereits mit den vier Schubladen Wäsche umgezogen.
Das Gute an meinen Bergen Bügelwäsche ist, dass wenn ich keine Kohle zum Shoppen habe, ich eigentlich nur diese vier Schubladen leeren müsste. Denn eines ist dann sicher: Ich finde garantiert ein Oberteil, Kleid oder einen Rock, den ich seit gefühlten fünf Jahren nicht mehr gesehen und deren Existenz ich bereits vergessen habe. Ist also so, als würde ich quasi etwas vollkommen Neues anziehen. Dann müsste ich es aber immer noch bügeln…
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Januar 9th, 2012
Fanfarella 
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