Beziehungskiste: Kennt ihr das „Wir-sind-das-glücklichere-Paar-als-ihr“-Phänomen?

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treiten sich zwei, dann freut sich der Dritte, heißt es ja so schön. Bei Paaren gilt: Streitet sich ein Paar, ist das zweite Paar gleich glücklicher. Als würde das zweite Paar dem anderen Paar all die Rest-Glücksgefühle aussaugen! Unfair? Definitiv! Und da wir auch nur ganz normale Menschen in einer normalen Beziehung sind, waren wir natürlich auch schon mal sowohl das streitende Paar, als auch das urplötzlich superglückliche Paar. So glücklich, wie wir es ohne diesem streitenden Paar in dieser Alltagssituation nie gewesen wären. Woran liegt das? Und bin ich die einzige, der so ein Phänomen auffällt?

Wir streiten nicht oft, aber wenn, dann ziemlich heftig. Also nicht so, dass die Fetzen fliegen und wir uns beflegeln, aber doch so, dass es die Nachbarn mitbekommen. Das liegt wohl daran, dass Andreas oft und sehr schnell den ersten versöhnenden Schritt auf die verrückten Frau an seiner Seite – also mir – zugeht, damit der Streit nicht eskaliert. Ab und an gibt es aber Themen, da will selbst der harmoniebedürftigste Mensch es nicht gut sein lassen und sich zu einem Streit hinreißen.

Streiten wir nur über Essen?

So geschehen vor einiger Zeit bei einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden. Fragt mich nicht, über was wir gestritten haben. Wahrscheinlich ging es um so etwas weltbewegendes wie, ob unser Hund Stella nun vom Tisch ein Stück Schinken haben darf oder nicht (Nein, darf sie nicht. Na gut, hinter Andreas Rücken bekommt sie dann doch eines, weil er eh ja sonst immer der Good Cop ist), oder ob Coca Cola ein Getränk ist oder Gift (letzteres, aber bitte mit Eiswürfel und Zitronenscheibe laut Andreas), oder ob man zu Kaiserschmarrn Zwetschkenröster oder Apfelmus isst (natürlich Zwetschkenröster, pfff). Hmmmm, alle drei Themen haben etwas mit Essen zutun…
Es war somit so weltbewegend wichtig, dass ich mich heute an nichts erinnern kann, außer, dass das sonst recht streitlustige befreundete Paar am Tisch, plötzlich enger zusammenrückte und ungewohnt harmonisch nebeneinander saßen. Er reichte ihr das Wasser, sie sagte danke und gab ihm einen Kuss. Er lächelte sie verträumt an und streichelte über ihren Rücken, was ihr ein wiederum Lächeln ins Gesicht zauberte. Er war so zuvorkommend wie gefühlt noch nie und sie so zahm wie ein Kätzchen.
Zum Kotzen sowas. Das machte mich noch wütender. Jetzt tun DIE verliebter als WIR? Wir könnten auch so eine schöne Zeit haben, wie die beiden! Sogar DIE haben eine bessere Zeit als wir! Na toll, danke!

Plötzlich superhappy

Anderer Ort, anderes Paar: Wir sind auf einem Tagestrip mit einem zweiten Pärchen. Wir wussten bereits, dass es zwischen ihnen kriselt, aber hatten uns keine Gedanken über die Folgen gemacht. Was sollte schon passieren, an einem See, im Herbst, irgendwo im nirgendwo? Nun, es wurde ein ziemlich langer und ziemlich anstrengender Tagestrip. Kein freundliches Wort wechselten die beiden miteinander und der heftige Wind tat das seine, indem er jedes 2. Wort verschluckte und somit mussten sie sich, die mit boshaften Unterstellungen gespickten Sätze, mehrfach an den Kopf werfen. Je mehr die beiden sich anzickten, umso enger rutschten Andreas und ich zusammen. Wir griffen uns an den Händen, küssten uns deutlich häufiger als sonst und sprachen betont liebenswürdig miteinander, machten Zukunftspläne und konnten sogar über sonst recht heikle Themen, wie beispielsweise meine Reisewunschliste, entspannt plaudern:

„Ja Julia, Australien können wir gerne einmal machen, wir werden dafür schon den richtigen Zeitpunkt finden. Und auch eine zweite Safari wäre schön, finanziell sieht es ja eh ganz gut aus bei uns.“
„Oh wie schön Andreas…“
Bussi, Bussi, Bussi.

Anstatt:
„Wie stellst du dir das eigentlich vor Julia? Wir müssen unsere Sparbuch deutlich aufstocken, sonst wird das nie etwas mit der Eigentumswohnung!“
„Aber, aber… ach verdammt, ich weiß das eh, aber ich will so unbedingt und diese Erfahrungen und Erinnerung die wir da sammeln, die sind doch für immer!“
„Eine Eigentumswohnung auch.“
Schmollen.

Woher kommt’s?

Also nicht, dass wir sonst nicht harmonisch und liebenswürdig miteinander umgehen, aber so bewusst, wie zu diesem Zeitpunkt, macht man das vielleicht eher im Urlaub oder zu besonderen Anlässen. Woran liegt das nun?

  1. Ziehen wir uns in unsere glückliche Welt zurück, wenn es um uns herum zu toben beginnt?
  2. Oder wird uns mit dem streitenden Paar vor Augen geführt, wie wir nicht miteinander umgehen wollen?
  3. Sind wir neidisch auf das plötzlich superglückliche Paar, während bei uns gerade ungebremste Talfahrt angesagt ist?
  4. Oder geht es tatsächlich nur darum, glücklicher zu sein und eine bessere Beziehung zu führen, als die anderen?

Vielleicht ist es ja eine Mischung aus all meinen Ansätzen, aber für mich persönlich klingen Punkt 2 und 3 ehrlich gesagt recht zutreffend, ups.

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3 Responses
  • Jael
    Dezember 28, 2017

    Interessantes Thema. Jetzt, wo du es ansprichst, kann ich mich gut an ähnliche Momente erinnern.
    Die Gründe können verschieden sein, je nachdem wie es einem selbst in der Beziehung geht. Hat man selber ständig Knatsch, dann spricht wohl der Neid aus der Schadenfreude. Oder man gönnt auch sonst niemanden etwas Gutes. Ich denke, ich bin in solchen Momenten froh, dass nicht ich und mein Mann uns streiten. Vielleicht hat es sogar etwas mit „fremdschämen“ zu tun? Wer hat z.B. noch nie eine peinliche Reality Show (mit sagen wir mal, nicht gerade den hellsten Kandidaten) geguckt und sich dabei so superweise gefühlt? 🙂 Meiner Meinung nach also eine Mischung aus 1. und 2.

    Übrigens möchte ich noch kurz erwähnen, ich seit Jahren eine stille Leserin (und Fan ;-)) deiner Kolumnen bin und auch jetzt immer wieder mal vorbeischaue, ob es was Neues gegeben hat. Ich mag deinen ehrlichen und humorvollen Schreibstil und kann mich mit vielen Themen identifizieren. Ich würde mich also seeeehr über häufigere Posts freuen!! 🙂

    • Fanfarella
      Dezember 28, 2017

      Hallo Jael, oh das freut mich wirklich sehr, dass du schon so lange mitliest und du dich mit den Themen identifizieren kannst! Ich probiere so oft es geht, alltägliche Themen herauszugreifen und da freut es mich, wenn das gut ankommt 🙂
      Und Fremdschämen ist auch ein guter Punkt, das kanns natürlich auch sein. Dass man keinesfalls so sein will. Ooooder, man fühlt sich nur glücklicher, aber eigentlich tut man gar nicht wirklich viel mehr… Wegen deines Vergleiches mit den Reality Shows und „superweise fühlen“ 😀

  • Inschie
    Januar 7, 2018

    Vielen Dank für deine leider seltenen, aber dafür umso wertvolleren und ehrlichen Blogbeiträge! Dein Schreibstil ist wirklich ausgezeichnet.

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